EY-Spaltung: Es kommt zum Schwur

Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY läutet die nächste Phase ein und konkretisiert den Fahrplan zu einer möglichen Trennung der Geschäftsbereiche. Das Unternehmen plant, die Partnerinnen und Partner ab Ende 2022 über die mögliche Spaltung abstimmen zu lassen. Ein Ergebnis werde somit Anfang 2023 vorliegen.

Wie das Unternehmen erstmals in einer offiziellen Pressemitteilung kommuniziert, wird die Partnerschaft über eine Aufspaltung der Prüfungs- und Beratungsbereiche abstimmen. Im Mai war erstmals durch einen Investigativjournalisten darüber gesprochen worden, später hatten sich die Gerüchte immer weiter verdichtet und zunehmend mehr Details wurden am Markt diskutiert. Wie die Financial Times beispielsweise im Juli berichtete, könnte eine Spaltung mit einem Börsengang des Consulting-Bereichs und einem Listing in den USA einhergehen. Die Beratungseinheit, deren Name noch zu definieren wäre, würde weiterhin zu 70 Prozent in den Händen der Partnerinnen und Partner verbleiben und für einen Umsatz in Höhe von rund USD 24 Milliarden stehen – bei stark zweistelligen Wachstumsraten.

Warmer Geldregen für die Partner

Der Markenname EY bliebe dem verbleibenden Wirtschaftsprüfungsbereich vorbehalten, der weiterhin partnerschaftlich organisiert wäre. Die Unabhängigkeit zwischen dem Prüfungs- und Beratungsgeschäft könnte operativ bis 2024 vollzogen sein. Wie EYs CEO, Carmine Di Sibio, mitteilte, könnten damit auch Kosteneinsparungen in Höhe von USD 1.5 Milliarden realisiert werden: Indem die neue Beratungsgesellschaft nicht mehr in Form nationaler Ländergesellschaften organisiert wäre, ließen sich in der integrierten Organisationsstruktur weite Teile der mittleren Führungsebene abbauen. Zugleich könnten sich die Consulting-Partner über einen warmen Geldregen freuen, da sie vermutlich pro Person mit USD 8 Millionen in Aktien rechnen könnten.

Das Foliendeck, welches EY nutzte, um seine Mitarbeitenden über die Trennung zu informieren, kann an dieser Stelle gefunden werden, nachdem das Magazin Australian Financial Review die Folien Mitte August veröffentlicht hatte.

Nachahmer sind nicht zu erwarten

Die Mitbewerber von EY, die verbleibenden Big Three, sehen scheinbar keine Notwendigkeit, dem Beispiel ihres Konkurrenten zu folgen. Der CEO von KPMG wird mit den Worten zitiert, ein Verkauf der Beratungssparte „would monetise the goodwill of our firm that has been created for over a hundred years, at the expense of the next generation”. Punit Renjen, CEO von Deloitte, kommentiert: „We will not separate and split our businesses. The multidisciplinary model and private partnership culture continue to be the preferred strategy and structure“. Und auch der Global Chairman von PwC, Bob Moritz, geht im Interview mit der Financial Times darauf ein, dass er für sein Haus andere strategische Optionen sehe. Man fühle sich bei PwC sehr wohl damit, die Risiken aus dem Prüfungsgeschäft zu balancieren. Und falls PwC mehr Kapital benötigen würde, sähe er andere Wege, dieses zu beschaffen.


Bildquelle: Sven Piper

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