Beratungsboutiquen im Aufwind: Mitgründer der Analytics- und Reporting-Beratung verovis im Interview

Klein, fein, spezialisiert, dynamisch, wendig, mit diesen Begriffen lassen sich Beratungsboutiquen beschreiben. Denn nicht immer werden die großen Beratungshäuser beauftragt, wenn es um strategisch wichtige Projekte geht. Immer mehr spaltet sich der Consulting-Markt in zwei erfolgreiche Segmente: Entweder groß, international und mit generalistischem Serviceangebot oder aber klein, spezialisiert und aufgrund der starken Fokussierung auf das Projektergebnis hoch geschätzt. Der so genannte mid market an Beratungshäusern hat es zunehmend schwer. Sie sind zu klein, um überall auf der Welt Projekte liefern zu können und ausreichende Ressourcen für komplexe Transformationen bereit zu stellen. Zugleich versuchen viele diese Häuser, einen großen Teil der Wertschöpfungskette der Kunden unterschiedlicher Branchen abzudecken. Nicht immer gelingt es diesem mittleren Segment, diesem Spagat gerecht zu werden und sich erfolgreich beim Fachbereich oder im Einkauf des Kunden gegen die Wettbewerber zu positionieren.

Beratungsboutiquen gehen hier einen anderen Weg und suchen die hochgradige Spezialisierung, was sie für Kunden zu geschätzten Experten und für Kandidaten zu attraktiven Arbeitgebern werden lässt. Eines dieser Häuser ist die auf Reporting, Unternehemenssteuerung und Analytics spezialisierte Beratung verovis GmbH, die im Jahr 2015 als ein Spin-off einer Big Four gegründet wurde. Bernd Trautwein, einer der Mitgründer von verovis, zeigt im Interview mit der Consultant Career Lounge, was es heißt, als Berater unternehmerisch zu arbeiten.

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Die Geschäftsführer von verovis. Von links: Bernd Trautwein, Clemens Frank, Andreas Steimer.

Herr Trautwein, Sie haben sich nach mehreren Jahren bei KPMG mit einigen Kollegen selbstständig gemacht und mit verovis Ihr eigenes Consulting-Start-up gegründet. Was hat Sie persönlich zu diesem Schritt bewogen?

Der Hauptantrieb für alle, die mit uns gemeinsam verovis gegründet haben, war es, ein Unternehmen nach unseren eigenen Vorstellungen und Werten aufzubauen und dieses am Markt zu etablieren. Primär wollten wir in der Form der Zusammenarbeit und Innovation neue Wege beschreiten.

In einem kleineren und neu gegründeten Unternehmen müssen – auch heute noch – die Prozesse definiert und optimiert werden. Sowohl die kundenseitige als auch die interne Arbeit ist viel stärker durch die einzelnen Mitarbeiter beeinflussbar als in einem Großunternehmen.

Wofür steht der Name „verovis“? Was hat es damit auf sich?

Unser Firmenname ist aus dem Lateinischen abgeleitet. „vis“ steht für Kraft – unsere Kraft, die wir bei Kunden und in unserem Unternehmen einbringen. Das „verum“ bedeutet Wahrheit – wir helfen unseren Kunden, indem wir Sachverhalte analysieren und Maßnahmen ableiten. verovis steht also für die Kraft der Wahrheit, für einen ehrlichen Sparringspartner.

Hatten Sie seit Gründung Ihrer eigenen Firma jemals die Sorge, zu scheitern?

Es ist wie beim viel zitierten „Sprung ins kalte Wasser“ – die Sorge war vor dem Entschluss immer mal wieder Bestandteil von Überlegungen. Nachdem der Schritt vollzogen war und wir vom ersten Tag an eine sehr gute Kundenresonanz hatten, sehen wir täglich unglaublich viele Chancen und Möglichkeiten, die wir angehen möchten. Auf dieser Basis konnten wir inzwischen zu den Bestandskunden, die unseren Schritt getragen haben, weitere neue Kunden gewinnen.

Welche Tipps würden Sie Beratern geben, die sich mit dem Gedanken tragen, ein eigenes Beratungshaus zu gründen?

Mir wurde der Tipp „Think Big“ gegeben und das war für mich schwer greifbar – man denkt ja erst einmal daran, das Unternehmen zu etablieren. Im Nachgang würde ich diesen Tipp als absolut richtig ansehen. Die Vision, Teamgröße, Kooperationen und die Organisation sollten auf den „Best Case“ ausgerichtet sein, um auch als Startup Schlagkraft und Flexibilität zu haben. Diese Lektion haben wir auch selbst gelernt: Nachdem wir uns zunächst für ein organisches Wachstum aufgestellt hatten, haben wir schnell personelle Ressourcen nachgelegt, um den sprunghaft steigenden Anforderungen nachzukommen oder ihnen im besten Fall sogar voraus zu eilen.

Welchen Vorteil bieten aus Ihrer Sicht spezialisierte Boutique-Beratungen ihren Kunden im Vergleich zu den internationalen Großberatungen?

Bei einer spezialisierten Boutique dreht sich alles um ein paar Themen. Alle Mitarbeiter fokussieren sich voll und ganz darauf und können mit diesem Fokus auch voll auf die Kunden und deren Herausforderungen eingehen. Für eine Spezialberatung ist auch Fortbildung und Investition wesentlich wichtiger, da kein großer Markenname im Hintergrund ist. Daher überlegen wir sehr gezielt, wo und wie wir investieren und schulen.

Und aus welchen Gründen sollten Absolventen oder Young Professionals den Entschluss fassen, bei Ihnen einzusteigen und nicht bei einem der Großen?

Wir bieten einen „Highway“ zu Machergeist und Unternehmertum. Wer sich bei uns engagiert, kann vor Ort bei Kundenprojekten, bei unseren Innovationsprozessen und dem Aufbau unserer internen Abläufe direkt mitwirken und ist hierbei in ständigem Kontakt mit dem Management Team. Wer bei verovis arbeitet, er- und durchlebt alles viel unmittelbarer, sammelt schnell Erfahrung in Produktion, Forschung und Entwicklung sowie Vertrieb und kann diese dann als Schwerpunkte weiter ausbauen. Wir haben das Ziel, dass wir als verovis nicht nur die fachliche, sondern auch die persönliche Weiterentwicklung unterstützen, wozu auch gehören kann, sich bewusst aus der Komfortzone herauszuwagen.

Haben die Mitarbeiter bei verovis eine eigene DNA?

Ja, wir haben erkannt, dass unsere Stärke die ist, als Bindeglied zwischen Kunden und IT alles dafür zu tun, dass unsere Kunden in eine optimale Position für Projektentscheidungen gebracht werden. Hierfür haben wir einerseits klare Methoden, sind aber auch häufig Kümmerer, Experten, Mahner und Vermittler. Dies lebt jedes Teammitglied sehr schnell, da es durch das Team vorgelebt und weitergegeben wird.

Und welche Kandidaten passen nicht zu verovis?

Wir sehen uns auch nach zwei Jahren als Startup und leben dieses Prinzip auch. Wir brauchen in allen Bereichen tatkräftige und proaktive Kolleginnen und Kollegen, die mit anpacken wollen und Freiheitsgrade nutzen. Wer Pioniergeist und die Bereitschaft, auch einmal Dinge selbst an- und Risiken einzugehen nicht so als bevorzugte Prioritäten hat, würde bei uns im Zweifel nicht so glücklich werden.

Welche konkreten Personalbedarfe haben Sie in welchen Bereichen?

Wir wollen dieses Jahr weiter stark wachsen und suchen sowohl Absolventen als auch Young Professionals, die sich im Schnittbereich von Inhalten, Prozessen, IT und Organisation im Accounting- und Controlling schwerpunktmäßig beschäftigen möchten. Speziell geht es um die Bereiche Business Intelligence / Analytics, Planung, Budgetierung und Hochrechnung sowie der Konzernkonsolidierung.

Was sagen Sie zur Großwetterlage im Beratungsmarkt?

Die Marktnachfrage ist sehr gut. Wie den Gesamtmarkt, sehen wir auch den Beratungsmarkt in einer Transformationsphase, die zu veränderten Produkten und Beratungsanforderungen führen wird. Es ist absolut spannend, in diesem Markt die Ausrichtung des eigenen Unternehmens und das Produktportfolio der digitalisierten Welt anzupassen.

Was möchten Sie Bewerbern mit Interesse an einer Karriere in der Unternehmensberatung grundsätzlich mit auf den Weg geben, was sollten sie beachten?

Eine Unternehmensberatung ist eine Plattform, die viele Möglichkeiten bietet, sich zu entwickeln und entweder breite oder sehr spezialisierte Fähigkeiten aufzubauen. Von dieser Plattform muss man sich aber selbst bedienen, es gibt keine festen Wege, denen man zum einfach zu Ziel folgen kann. Mein Motto war und ist immer, dass man in der Beratung immer die Chancen aufgreifen sollte, die sich einem zeigen und sich so über die Jahre ein breites Portfolio an Erfahrungen erschließen kann. Hierbei ist es sicher wichtig, sich z.B. jährlich Ziele zu setzen, aber manchmal kommen über Projekte und Kundenerfahrungen ganz andere Schwerpunkte zum Tragen, als man sich ursprünglich gedacht hat.


Zur Person

Als studierter Wirtschaftsingenieur startete Bernd Trautwein 1994 seine Karriere bei KPMG in der Wirtschaftsprüfung. 2005 im Consulting der KPMG zum Partner ernannt, baute er das Beratungsfeld Business Intelligence bis Ende 2014 mit über 100 Beratern und Managern auf. 2015 gründete er mit einem kleinen Team die verovis GmbH.

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