Kolumne mit Prof. Dr. Thomas Deelmann: „Zweieinhalb Fragen zu…OpenAI und dem Vorstoß in den Consulting-Markt“

In der Kolumne „Zweieinhalb Fragen zu…“ gibt der „Consulting-Professor“ Thomas Deelmann Einblicke zu aktuellen Themen oder generellen Trends im Beratungsmarkt. Zugespitzt und auf den Punkt.


OpenAI bietet jetzt auch Consulting-Services an. Ist das der Durchbruch? Berät nun die KI?

Prof. Deelmann: Nein, soweit ist es bei OpenAI wohl noch nicht. Nicht die KI berät die Kunden, sondern Consultants beraten die Kunden zum Einsatz von KI. Die Consultants sind sogenannte Forward Deployed Engineers. Das sind OpenAI-Ingenieure, die vor Ort beim Kunden arbeiten. Sie wollen die Einbettung von KI in die Organisationen verbessern. Derzeit zielen sie auf ein sehr spezielles Markt- und Aufgabensegment und halten auch die Kundenzielgruppe eher fokussiert: Das Projektvolumen sollte bei zehn Millionen US-Dollar oder darüber liegen. Zumindest nach jetzigem Stand – aber das kann sich natürlich ändern.

© Jernej Furman

Wird OpenAI damit Erfolg haben?

Erfolg ist hier wohl differenziert zu bewerten. Wenn in Deutschland zügig ein Dutzend Kunden gewonnen werden, dann gehört das Unternehmen nach Honorarvolumen fast aus dem Stand zu den größten Consultants hierzulande – und dann könnte man dies als Erfolg werten. Vielleicht ist dieser Move aber auch ein taktisches Manöver, um Wettbewerbern zuvorzukommen, den KI-Markt in eine gewünschte Richtung zu lenken und zu dominieren. Aber dann sollte mit Erfolgsbewertung noch etwas gewartet werden. Ein größerer wirtschaftlicher Erfolg könnte sich mittelfristig aber auch als Bumerang erweisen: Denn in diesem Fall würden zwei spannende Geschäftsmodelle nebeneinander existieren, die jedoch gänzlich unterschiedlichen Mechanismen unterworfen sind und finanziell unterschiedlich bewertet werden. Und dies mag für den Fall eines zukünftigen Börsengangs signifikante Auswirkungen haben.

War OpenAIs Schritt eigentlich zu erwarten oder kam das neue Offering überraschend?

Groß ist die Überraschung nicht, denn: Tech-Unternehmen nutzen schon länger Beratungen als Vorfeldorganisationen.


Prof. Dr. Thomas Deelmann © privat

Thomas Deelmann ist Professor für Management und Organisation an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung (HSPV) Nordrhein-Westfalen. Nach einer Verwaltungsausbildung und Wirtschaftsstudium arbeitet und forscht er seit über 20 Jahren als, für, mit und über Berater – in einem internationalen Beratungskonzern, als Beratungseinkäufer in einem DAX-Unternehmen, Projektleiter, Auftraggeber von Beratungen, Betroffener von Consulting-Projekten, Inhouse- und freier Consultant sowie in der Lehre und Forschung zur Unternehmens- und Verwaltungsberatung.

Kommentar verfassen