Daniel Nerlich: Frau Anderson, Frau Siepmann – was war Ihr erster Eindruck, als klar wurde, dass Mercer und hkp/// künftig unter einem gemeinsamen Dach agieren würden?
Andrea Anderson: Die hkp///group war für uns über viele Jahre ein geschätzter Marktbegleiter. Als dann die ersten Gespräche konkreter wurden, war rasch erkennbar, dass sich die Dienstleistungsportfolios hervorragend ergänzen. Besonders erfreulich war aber, wie schnell auch auf persönlicher Ebene eine Verbindung entstanden ist. Die Chemie stimmte einfach.

Regine Siepmann: Genau – bei einer partnergeführten Organisation wie der hkp///group war uns immer wichtig, dass es menschlich passt. Und das war vom ersten Treffen an der Fall. Natürlich war uns bewusst, dass sich auch neue Chancen für unsere Beratungsarbeit ergeben – aber entscheidend war das gute persönliche Gefühl.
Trotzdem: Ein kleineres Unternehmen trifft auf einen globalen Konzern – das bringt kulturelle Unterschiede mit sich. Wie haben Sie diesen Balanceakt gestaltet?
Andrea Anderson: Integration ist kein Neuland für uns – wir haben da Erfahrungswerte. Wichtig ist aus meiner Sicht, dass das kleinere Unternehmen nicht den Eindruck bekommt, einfach geschluckt zu werden. Es geht darum, wertzuschätzen, was die Kolleginnen und Kollegen erfolgreich gemacht hat – und darauf aufzubauen. Wir wollen gemeinsam etwas Neues schaffen, das größer ist als die Summe der Teile.
Frau Anderson, Sie selbst haben die Integration von Promerit in Mercer erlebt. Welche Parallelen oder Unterschiede sehen Sie zur aktuellen Situation mit hkp///?
Andrea Anderson: In beiden Fällen ging es um hochspezialisierte Beratungseinheiten mit starker Kultur, inhaltlicher Exzellenz und dominanter Präsenz am deutschen Markt. Inzwischen haben wir aber dazugelernt – zum Beispiel, wie wichtig ein gemeinsamer Standort ist. Deshalb sind wir diesmal frühzeitig zusammengezogen, um Silos zu vermeiden. Auch bei der Markenführung ging alles schneller: Bei hkp/// war schnell klar, dass wir früh auf Mercer als gemeinsame Marke setzen – mit einer Ausnahme im Bereich Corporate Governance Advisory.

Frau Siepmann, Sie leiten den Bereich Corporate Governance Advisory. Was bedeutet Integration für Sie aus internationaler Perspektive?
Regine Siepmann: Für uns war besonders spannend, dass es unter dem Dach von Mercer erstmals eine internationale Plattform für Governance-Themen gibt – und damit für gute Unternehmensführung, Vorstandsvergütung und verwandte Fragen. Das ist eine andere Art von Integration: weniger auf den Standort bezogen, sondern auf fachlichen Austausch über Ländergrenzen hinweg. Und auch hier sind wir sehr schnell in den inhaltlichen Dialog gekommen.
Gibt es Elemente der ehemaligen hkp///group, die bewusst erhalten bleiben – trotz der Integration?
Regine Siepmann: Unser Anspruch war immer: Performance, Passion, Partnership. Das beschreibt unsere Haltung, unseren Stil, unsere Zusammenarbeit – untereinander und mit Kunden. Und das ist geblieben. Wir beraten heute unter neuer Marke, aber mit derselben Überzeugung.
Wie sieht die Zusammenarbeit in der Praxis aus? Gibt es schon gemeinsame Mandate, neue Lösungen, echte Mehrwerte für Kunden?
Andrea Anderson: Ja, ganz klar. Zum einen teilen wir den Anspruch, weiter zu wachsen – nun mit lokalem und globalem Know-how. Zum anderen gibt es konkrete Felder, in denen sich unsere Kompetenzen ideal ergänzen: etwa beim Thema „Work & Skills“, wo wir durch hkp/// jetzt zusätzliche Tiefe in der Finanzindustrie haben. Auch im Performance Management verknüpfen wir Reward-, Kultur- und Leadership-Kompetenz. Und bei Pay Equity, einem hochaktuellen Thema, bündeln wir unsere Kräfte ebenfalls sehr erfolgreich.
Lassen Sie uns tiefer in die gemeinsame Beratungsarbeit blicken: Was verändert sich durch die Integration konkret für Ihre Kunden?
Regine Siepmann: Aus Sicht des Corporate Governance Advisory ergeben sich spannende neue Möglichkeiten. Unsere Legacy-Kunden profitieren nun stärker von internationaler Expertise – insbesondere bei den DAX-Konzernen, bei denen ein rein nationaler Blick nicht ausreicht. Früher haben wir mit externen Partnern gearbeitet, heute steht uns ein globales Mercer-Netzwerk zur Verfügung. Und umgekehrt interessieren sich internationale Mercer-Kollegen sehr für Themen, die wir hier in Deutschland traditionell breiter aufgestellt haben – etwa Aufsichtsratsevaluierungen, bei denen wir mit dem European Center for Board Effectiveness eigene Expertise einbringen.

Andrea Anderson: Das ist auch ein gutes Beispiel für das, was wir strategisch erreichen wollten – nämlich neue Beratungsangebote, neue Schnittmengen und ein echtes „Best of both worlds“. Mercer bringt große Erfahrung im Bereich Compensation & Benefits mit, hkp/// war stark in Executive Compensation und Governance-Themen. Diese Stärken ergänzen sich und ermöglichen neue Formate – auch in bisher unbesetzten Feldern.
Welche neuen Themenfelder entstehen konkret aus der Kombination beider Häuser?
Regine Siepmann: Neben der klassischen HR-Beratung sehen wir jetzt ganz neue Formate in der Restrukturierungsberatung. Das ist keine rein kostengetriebene Betrachtung – vielmehr geht es um zukunftsfeste Reorganisationen, die Skills, Organisation und Transformation zusammen denken. Gemeinsam mit Kolleg:innen von Mercer und Oliver Wyman entsteht so ein ganzheitlicher Ansatz, der strategisch, kulturell und arbeitsrechtlich funktioniert.
Andrea Anderson: Genau – bei diesen Themen profitieren wir von der kombinierten Stärke. Restrukturierung im heutigen Sinne bedeutet nicht nur Effizienz, sondern auch Kompetenzaufbau für künftige Anforderungen. Dass wir das nun mit vereinter Industrie- und Transformationserfahrung angehen können, macht uns besonders leistungsfähig.
Ein klassischer Härtetest in jeder Integration ist die kulturelle Zusammenführung. Was tun Sie konkret, um Austausch und Identität zu fördern?
Andrea Anderson: Unser Fokus lag von Beginn an auf gemeinsamer Kundenarbeit. Wir haben bewusst gemischte Teams auf Projekte und Sales-Prozesse gesetzt – das schafft gemeinsame Erfolgserlebnisse und Vertrauen. Parallel dazu haben wir im Führungsteam eine neue Organisationsstruktur gemeinsam entwickelt – mit dem Ziel, ein gemeinsames Zielbild zu gestalten statt Vorgaben „von oben“ umzusetzen. Und natürlich schaffen wir auch über informelle Formate wie Lunches oder After-Works Raum für Begegnung.
Regine Siepmann: Was mich wirklich beeindruckt hat: Trotz aller Unterschiede gab es von Anfang an kein Gegeneinander. Es ist ein sehr kollegiales Miteinander. Kein Ellenbogen, keine Eitelkeit – sondern echtes gemeinsames Jagen nach der besten Lösung. Auch die Mischung der Biografien im Team passt hervorragend – von Industrie- über Beratungshintergründen ist alles dabei.
Frau Siepmann, Sie bringen langjährige hkp///-DNA mit. Was möchten Sie persönlich einbringen – und was hat Sie bislang überrascht?
Regine Siepmann: Mein Team ist als Ganzes übergegangen, es gab kein bestehendes Mercer-Team in Deutschland in unserem Themenfeld. Das war ein Vorteil, weil es keine neuen Reporting Lines oder Rollen gab. Die Herausforderung liegt eher darin, inhaltlichen Austausch international aufzubauen – und sich im Konzerngefüge zurechtzufinden. Aber unser Anspruch ist klar: Wir wollen unsere erfolgreiche Arbeitsweise aus fast 15 Jahren hkp/// in die größere Organisation einbringen und gleichzeitig von den neuen Möglichkeiten profitieren.

Ein Jahr in die Zukunft gedacht – woran werden Sie erkennen, dass die Integration gelungen ist?
Andrea Anderson: Wenn wir als führender „Strategic People Advisor“ am Markt wahrgenommen werden – nicht nur für Compensation und Benefits, sondern ganzheitlich, als erste Anlaufstelle für CHROs. Und wenn wir das ambitionierte Wachstum schaffen, das wir uns vorgenommen haben, ohne dabei unsere Top-Talente zu verlieren.
Regine Siepmann: …und wenn wir den Begriff „Integration“ gar nicht mehr brauchen, weil es selbstverständlich geworden ist, gemeinsam zu arbeiten.
Was steht als Nächstes an? Gibt es noch Meilensteine der weiteren Integration?
Regine Siepmann: Der technische Feinschliff. IT-Integration, Prozesse, Abrechnung – das läuft aktuell. Aber menschlich und beraterisch sind wir längst ein Team.
Andrea Anderson: Und ich finde: Es ist gut, dass wir uns unsere unterschiedlichen Wurzeln bewahren. Diversität stärkt unsere Kundenarbeit – und hilft, auch die große Organisation weiterzuentwickeln.
Frau Anderson, wie viel Promerit steckt heute noch in Mercer Deutschland?
Andrea Anderson (lacht): Wir haben das Service Portfolio für unsere Kunden und die Mercer Deutschland-Kultur in den letzten Jahren stark mitgeprägt. Und knapp 50 % aus meinem Führungsteam in Transformation und Talent kommt noch von Promerit. Das ist eine gute Basis – auch für den Erfolg von hkp/// bei Mercer.
Frau Anderson, Frau Siepmann, herzlichen Dank für dieses Gespräch.
Titelbild: © Mercer
