Heiko Fink, Leiter des Bereichs Organization, Transformation & Change: „Für unsere Kunden waren wir immer schon die Horváths“

DANIEL NERLICH: Herr Fink, Sie sind Partner bei Horváth und leiten den Bereich „Organization, Transformation & Change“. Manch ein Leser könnte nun die Frage stellen: Was hat das mit Controlling zu tun?

HEIKO FINK: Das ist mal eine gute Eröffnungsfrage, wobei ich für die Beantwortung etwas in unsere 40-jährige Firmenhistorie abtauchen muss. Controlling ist unser Ursprung und unser Gründer Péter Horváth hat unser Unternehmen als Start-up gemeinsam mit drei Studenten in einer sehr klaren betriebswirtschaftlichen Nische gegründet. Für ihn war immer klar, dass Unternehmen nur dann langfristig erfolgreich sein können, wenn sie auch Transparenz und Steuerbarkeit im betriebswirtschaftlichen Erfolg sicherstellen und hier gehören Fragen nach der Organisation oder nach Umsatz- und Kostenpotenzialen immer dazu. Von einem 4-Mann-Start-up haben wir uns mittlerweile zu einer führenden deutschen Managementberatung mit über 1000 Mitarbeitenden entwickelt und sind international aktiv. Im Zuge dieses Wachstums sind wir auch inhaltlich gewachsen und haben neben ausgewiesener Industrieexpertise auch unser Themenspektrum deutlich verbreitert. Controlling & Finance steht ungefähr für die Hälfte unseres Umsatzes, die andere Hälfte machen heute Themen wie die Transformationen anderer Unternehmensfunktionen oder des gesamten Unternehmens aus, von der Strategie, über die Organisationsstruktur und -prozesse bis zum Menschen.

Im Beratungsmarkt werden Themen wie Transformation und Change deutlich ausgebaut. Handelt es sich aus Ihrer Sicht um eine kurzfristige Hausse oder um ein langfristiges Mega-Thema?

Unternehmen stehen ja schon immer vor Veränderungen, die sie bewältigen müssen, sei es aus politischen, sozialen oder auch ökologischen Aspekten oder schlicht, weil sich die Kundenbedarfe oder Technologien verändert haben. Daher könnte man sagen, dass Transformation seit jeher Kernaufgabe der CxOs war. Aus meiner Sicht sind aber zwei Treiber hinzugekommen, die eine Transformation so herausfordernd machen und wegen derer es sich nicht um ein kurzfristiges Thema handelt. 

Zum einen haben wir die letzten Jahre in nahezu allen Branchen gesehen, dass Unternehmen immer weniger Zeit haben, sich an die Marktanforderungen anzupassen, und dass man sehr schnell seine Marktposition an andere Unternehmen verlieren kann, die besser auf die veränderten Anforderungen reagiert haben. Das heißt Transformation ist notwendig, um noch eine Relevanz im Markt zu haben.

Zum anderen ist der Erfolg einer Transformation abhängig von einer ausgeprägten Anpassungsbereitschaft – und zwar in der gesamten Organisation. Hierdurch rückt der Faktor Mensch im Unternehmen deutlich stärker in den Mittelpunkt. Für die Beratung bedeutet dies, dass die Zeit, in der Berater Konzepte auf Powerpoint geschrieben haben und dieser Blueprint zur Umsetzung in die Welt verschickt wurde, vorbei sind. Heute gilt es, gemeinsam mit den Kunden die Veränderung wirklich zu realisieren also auch hier end-to-end von der Konzeption bis hin zur konsequenten Realisierung und Umsetzung zu denken.

Die Mitarbeiter von Horváth bei einem Unternehmensevent auf Mallorca

Wie eng arbeiten Sie mit Ihren Kolleginnen und Kollegen anderer Bereiche zusammen und wie gelingt das Zusammenspiel?

Die Zusammenarbeit mit KollegInnen aus anderen Horváth Bereichen ist entscheidend für den Projekterfolg – sei es mit unseren Industrieexperten, Funktionalexperten wie zum Beispiel unser Einkaufs- oder unser Finance-Team oder auch mit unseren Experten von ConsultING, wenn es um Produktionsprozesse geht, oder mit Horváth Digital, wenn tiefgehende Digitalisierungsexpertise notwendig ist. Transformationen sind vielschichtig und für eine unternehmensweite Transformation benötigen wir die Expertise in mehreren Bereichen. Das Zusammenspiel bei Horváth funktioniert hier immer schon sehr gut – wir verstehen uns als ein Team und sichern dies auch über unsere internen Systeme entsprechend ab.

Welche Kompetenzen und Vorerfahrungen sind nötig, um in Ihrem Team erfolgreich zu sein? Ist eher der Generalist oder der Spezialist gefragt?

Zunächst einmal suchen wir KollegInnen, die Lust daran haben, Unternehmen ganzheitlich zu verändern – von der Idee bis zur Umsetzung. Da gehört sicherlich eine wirklich gute Grundausbildung dazu, die wir in den Projekten ziemlich schnell um wertvolle Erfahrungen ausbauen. Da gehört aber auch der Wille dazu, die Ärmel hochzukrempeln, hier und da einen langen Atem zu beweisen und immer mit Spaß an der Sache zu sein. Generalist oder Spezialist? Wie in jedem guten Team ist hier die Kombination entscheidend! Wir sind im Team sehr divers aufgestellt von eher klassisch-generalistischen BWL- oder Wirtschafts-Ingenieurs-Profilen über PsychologInnen bis hin zu Lern- oder KommunikationsspezialistInnen in unserem Change-Team. Ich glaube, bei Horváth sind wir in einer Disziplin alle Spezialisten: Teamwork.

Sie sind nun seit über 17 Jahren für Ihren Arbeitgeber tätig. Disruptive Transformation in eigener Sache ist aus diesem Lebenslauf nicht abzuleiten, eher Konstanz und Evolution – oder ist dies ein Trugschluss?

Das halte ich tendenziell für einen Trugschluss, nichtsdestotrotz überraschen die 17 Jahre auch mich immer wieder, wenn ich mich vorstelle. Es fühlt sich irgendwie gar nicht so lange an und ich blicke auf vieles zurück, aber nicht auf Konstanz. Das war aber auch schon vor der Beratung so, früher Leistungssport, dann Bankausbildung und erst dann das Studium. Aber wie das in der Beratung so ist, hätte es auf diesem Weg natürlich immer wieder die Chance zu einem Wechsel oder einem Ausstieg aus der Beratung gegeben. Aber am Ende des Tages hat mich nichts von Horváth weglocken können. Zum einen liegt es sicherlich daran, dass man über interne Verantwortlichkeiten wie natürlich auch über die Projekte ohnehin ständig in Veränderung ist und mit seinen Aufgaben wächst. Wir sind die letzten Jahre so stark gewachsen, ich wüsste nicht, wo ich das hätte selbstbestimmter, unternehmerischer und teamorientierter hätte tun können. Daher ja, 17 Jahre Horváth, aber Konstanz: nein.

Was hält Sie auch heute noch bei Horváth, was ist so reizvoll an Ihrem Unternehmen?

People leave people. Oder eben nicht. Das, was mich bei Horváth gehalten hat und hält, sind die Menschen. Sie sind für mich immer wieder der stärkste Magnet. Nicht nur auf den Projekten, im Partnerkreis, in meinem Team oder bei Horváth-weiten Festlichkeiten erwische ich mich bei dem Gedanken: „Hier gehöre ich hin“.

Das, was mich bei Horváth gehalten hat und hält, sind die Menschen.

Und natürlich trägt auch unsere Unternehmenskultur dazu bei, denn aus der Start-up-Zeit sind einige Dinge geblieben, zum Beispiel der Unternehmergeist und die Neugier auf Neues.

Auch Horváth ist nicht von der Corona-Pandemie verschont geblieben. Laut Lünendonk-Analyse mussten Sie – wie viele andere Managementberatungen auch – im vergangenen Jahr Federn lassen und Umsatz einbüßen. Konnte Horváth diese Delle zwischenzeitlich wieder kompensieren? War Ihr Thema einer der Haupttreiber für die Rückkehr zum Wachstumskurs?

Die ersten beiden Quartale 2020 waren sicherlich eine herausfordernde Zeit, da ja alles in der Schwebe stand. Wir haben als Unternehmen meines Erachtens hier sehr gut reagiert und die Sondersituation für unsere Mitarbeitenden und Kunden vernünftig und ruhig durchgesteuert. Uns war auch immer klar, dass wir mit der bestehenden Mannschaft diese globale Krise bewältigen möchten und das haben wir auch geschafft. Ab dem Q3 2020 waren wir dann wieder auf Wachstumskurs und wir alle haben ein sehr intensives zweites Halbjahr erlebt. Dieser Wachstumspfad hält nach wie vor an. Interessanterweise haben auch unsere Kunden bereits im letzten Jahr viel auf grundsätzliche Veränderung und nicht auf kurzfristige Effekte gesetzt und das zahlt sich jetzt natürlich aus. Daher kann man nicht sagen, dass nur ein Thema das Wachstum treibt, das ist schon die gesamte Palette. Am Ende war es weniger ein Thema, das uns wieder auf Wachstumskurs gebracht hat, sondern wir als Team haben dazu beigetragen. Ich habe ein Team erlebt, das in Summe sehr anpassungsfähig und resilient auf die neue Situation reagiert hat.

Anfang des Jahres ist aus „Horváth & Partners“ prägnant „Horváth“ geworden. Sie haben den neuen Markenauftritt entsprechend mit einem aktualisierten, modernen Logo flankiert. Steckt in diesem Signal an den Markt zugleich auch eine aktualisierte Vision für die kommenden Jahre? Wenn ja, welche?

Für unsere Kunden waren wir immer schon die Horváths. Aber… Auch wir als Organisation müssen und wollen uns in diesen schnelllebigen Zeiten laufend transformieren und Veränderungen als Chance nutzen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Wir entwickeln uns permanent weiter, um unserer Mission gerecht zu werden, unsere Kunden bei Veränderungsprozessen so zu unterstützen, dass sie unschlagbar werden. Unser Logo, die beiden Rauten, symbolisieren Kooperation in der Zusammenarbeit – sowohl innerhalb der Horváth-Teams als auch mit unseren Kunden. Denn nur mit solch einem Dialog funktionieren auch umfassende Transformationen.

Herr Fink, wenn es den einen Grund gibt, warum man heutzutage Partner in einer Unternehmensberatung werden sollte, welcher wäre das für Sie?

Unternehmensberatung war schon immer ein extrem spannendes Berufsbild, da man in kurzer Zeit vieles sieht und ständig Veränderungen begleitet. Im Moment befindet sich die gesamte Wirtschaft in einer sehr grundsätzlichen Veränderungsphase – für viele Branchen bedeutet dies die größte Veränderung der letzten Jahrzehnte oder sogar überhaupt. Viele Unternehmen richten sich sehr grundsätzlich neu aus, sei es zum Beispiel aufgrund der Elektromobilität oder der Digitalisierungstrends bei FinTechs oder auch aus ökologischen Gründen im Energiesektor. Hierbei ergibt sich jetzt die Chance, die Veränderungen für die nächsten Dekaden zu unterstützen und zu helfen, dass die Unternehmen auch mittelfristig noch erfolgreich sind.  

In Summe ist es für mich eine wirklich gelungene Balance, Unternehmer und Teamplayer zu sein. Jeden Tag gleichzeitig. Natürlich geht es darum, Markttrends zu erkennen, Lösungen zu entwickeln und auszubauen. Es geht aber auch darum, sich selber ständig in neuen Situationen zu finden und auch nach 17 Jahren jeden Tag Erfahrungen zu sammeln. Diese an jüngere KollegInnen weiterzugeben, Teams aufzubauen, Kundenbeziehungen zu etablieren und zu pflegen, ist und bleibt einfach spannend.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Fink!


Zur Person

Heiko Fink bringt rund 17 Jahre Erfahrung in der Management- und Transformationsberatung mit. Nach seinem Abschluss mit Schwerpunkt auf International Business an der ESB Reutlingen stieg er im Jahr 2004 bei Horváth ein und konnte seither unternehmensweite Transformations- und Optimierungsprojekte für multinationale Unternehmen verschiedener Branchen umsetzen. Sein fachlicher Schwerpunkt lag dabei auf der Gestaltung und Umsetzung von optimalen Strategien, Organisationsstrukturen sowie Ergebnissteigerungen. Seit dem Jahr 2016 ist Heiko Fink Partner im Bereich Strategy & Transformation und verantwortet dort die Themen Organization & HR, Performance Improvement, Change Management. In seiner Freizeit ist der zweifache Familienvater leidenschaftlicher Ski- und Wassersportler.

Bildquelle: Horváth

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