A.T. Kearney sieht die Chance in der Krise und wird Restrukturierungsberater

Mit dem gestern offiziell vorgestellten Tochterunternehmen „A. T. Kearney Restructuring Services GmbH“ erweitert eines der weltweit führenden Strategieberatungsunternehmen sein Leistungsangebot für Unternehmen, die sich in einer akuten Krise befinden.

A.T. Kearney, laut Lünendonk-Liste im Jahr 2016 mit rund EUR 1,1 Milliarden Umsatz und rund 3.900 Mitarbeitern, wird mit der neuen Einheit sowohl Beratungsleistungen rund um bekannte Themen wie Kostentransformation, Operations Excellence, digitale Transformation und Top-Line-Strategie anbieten als auch bei Bedarf Interim-Manager beim Kunden installieren, die als Chief Restructuring Officer aktiv in die Verantwortung gehen. Gerade dieser zweite Serviceaspekt wird von den sonstigen Topstrategieberatungen kaum oder gar nicht aktiv vermarktet. A.T. Kearney wird eigenen Aussagen zufolge auf ein weltweites „Netzwerk von praxisorientierten Chief Restructuring Officers (CROs), weiteren Fachexperten, sowie renommierten Branchenspezialisten“ zurückgreifen, um diesen Bedarf zu decken.

 

"A.T. Kearney Restructuring"
Quelle: obs/A.T. Kearney

Doch warum gründet A.T. Kearney eine Tochtergesellschaft, die ihren Schwerpunkt im Bereich Restrukturierung und Turnaround Management besitzen wird? Gerade jetzt, in einer Phase, in der die Unternehmensinsolvenzen laut statistischem Bundesamt den niedrigsten Stand seit dem Jahr 1994 aufweisen? Der Markt der Restrukturierungsberater war ohnehin bereits gut aufgeteilt unter den großen Marktführern wie McKinsey, BCG, Roland Berger und PwC einerseits, internationalen Spezialisten wie AlixPartners oder Alvarez & Marsal, den inhabergeführten Spezialisten wie der Andersch AG und Struktur Management Partner andererseits und den vielen weiteren Spielern wie beispielsweise Ebner Stolz, Dr. Wieselhuber und Partner sowie nexpert, um nur einige Wenige zu nennen. Warum erhofft sich A.T. Kearney in diesem schwierigen Umfeld sprudelnde Einnahmen und Rendite?

Deutschlandchef Dr. Martin Eisenhut hierzu: „Durch unsere jahrzehntelange Erfahrung als weltweite Nummer Eins im Operationsconsulting sehen wir bereits jetzt, welche Unternehmen heute noch Rekordjäger sind, aber mittelfristig auf eine Krisensituation zulaufen“. Zudem habe eine aktuelle Kearney-Studie ergeben, dass das Produktivitätswachstum bereits heute hinter den gesamtwirtschaftlichen Wachstumsraten liege. Auch werde die Niedrigzinsphase ein Ende haben und krisenanfällige Unternehmen vor Liquiditätsprobleme stellen.

A.T. Kearney setzt auf seinen guten Ruf 

Tatsächlich steht A.T. Kearney wie kaum ein anderes Top-Strategieberatungshaus so stark für die Themen Operations Strategy bzw. Performance Improvement und für alle Aspekte, die damit einhergehen (z.B. Einkaufsoptimierungen oder Komplexitätsreduktion). Von diesem Kern und dieser Reputation ausgehend kann A.T. Kearney sicherlich einige Projekte im klassischen Restrukturierungsfeld abholen, die von den Unternehmen selbst beauftragt werden. Die Beauftragung durch Finanzierer, wie beispielsweise Bankenvertreter oder Warenkreditversicherer, fiele A.T. Kearney vermutlich ungleich schwerer, da dies ein Netzwerk von Multiplikatoren erfordert, welches langsam und stetig aufgebaut werden will. Hier haben andere Adressen vorerst einen besseren Stand, der ihnen streitig gemacht werden müsste.

Angesichts der aktuell anwährenden Niedrigzinsphase werden einige Firmen in Deutschland durch Kredite am Leben erhalten, die langfristig in die Krise rutschen würden, sobald die Kredite nicht mehr so günstig zu haben sind. In den vergangenen Jahren führte dies dazu, dass die angestammten Restrukturierungsberatungen immer weniger durch Finanzierer und immer häufiger von den Unternehmen selbst beauftragt wurden. Für A.T. Kearney könnte sich somit ein Markt ergeben, wenn man das Vertrauen aus anderen Projekten nutzt, um sich für Restrukturierungen und strategische Transformationsprogramme zu verkaufen.

Neugründung ist Teil einer großen Restrukturierung von A.T. Kearney selbst

Bei der aktuellen Nachricht sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass die Gründung einer Restrukturierungstochter eine von mehreren Maßnahmen ist, die Anfang 2017 im Rahmen einer größeren Reorganisation des Deutschlandgeschäfts in Aussicht gestellt wurden. Damals bekannte Dr. Eisenhut, man mache im Vergleich zum direkten Wettbewerb etwas falsch, da man eine relativ niedrige Wachstumsrate auswies. Mit Hilfe von mehreren Maßnahmen zur Kostenreduktion, durch Reorganisation der Geschäftsbereiche und die Erschließung neuer Marktfelder soll „der Plan“, wie das Papier intern betitelt wurde, A.T. Kearney wieder auf die Erfolgsspur bringen.

 

 

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