Was ein direkter Wettbewerber bereits seit einigen Jahren vorlebt, wird nun auch bei Deloitte nach und nach zur Realität: Wie das Unternehmen in einer Mitteilung am gestrigen Dienstag bekanntgab, werden sich die einzelnen Ländergesellschaften Belgien, Dänemark, Holland, Finnland, Island, Norwegen, Schweden mit UK und der Schweiz zusammenschließen. Die so geschaffene legale Entität mit Hauptsitz in UK wird unter dem Namen „Deloitte North West Europe“ firmieren und zukünftig 28.000 Mitarbeiter umfassen sowie über € 5 Milliarden Umsatz pro Jahr erwirtschaften.

deloitteDavid Sproul, derzeit CEO bei Deloitte UK und designierter CEO der neu geschaffenen Region, kommentiert diesen Schritt: „This is client driven. The issues our clients are facing are around globalisation, growth and digitalisation of business models“. Neben der organisatorischen Neuaufstellung wird Deloitte rund € 200 Millionen in das weitere Wachstum in der Region investieren – man plane Einstellungen von Partnern und gesamten Teams sowie gezielte Akquisitionen im Bereich Consulting und Digitalisierung. Bis 2020 sei das Ziel, innerhalb der neuen Region eine Umsatzgröße von € 8 bis 9 Milliarden zu erreichen.

Wie bei Wirtschaftsprüfungsgesellschaften üblich, war Deloitte bisher überwiegend in rechtlich eigenständigen Ländergesellschaften aufgestellt, die Teil des globalen Deloitte-Netzwerks waren. Diese Organisationsform bietet den Vorteil, dass man bei potenziellen Rechtsstreitigkeiten die Risiken auf die einzelne Ländergesellschaft begrenzen kann. Zudem bietet es den Equity Partnern vor Ort ein hohes Maß an Unternehmertum und Freiheitsgraden. Je stärker das Geschäft jedoch internationaler wird und man in länderübergreifender Kooperation globale Projekte stemmen muss, umso mehr stößt diese Organisationsform an ihre Grenzen: Es bedarf intensiver Abstimmung aller intern beteiligten Stakeholder in den jeweiligen Ländergesellschaften, um beispielsweise ein konzertiertes Proposal für einen internationalen Großauftrag zu erarbeiten. Tools und Dokumente sind gegebenenfalls über die Ländergrenzen hinweg unterschiedlich, so dass beim Kunden mitunter das Gefühl entstehen kann, dass „look and feel“ nicht aus einem Guss sind.

Ein direkter Wettbewerber hat aus den besagten Gründen bereits im Jahr 2009 entschieden, noch viel weiter zu gehen: EY gründete die Region EMEIA (Europe, Middle East, India & Africa), der zwischenzeitlich 87 Länder und über 100.000 Mitarbeiter angehören und die für einen Umsatz in Höhe von USD 11,815 Milliarden steht (Fiskaljahr 2015). In den vergangenen Jahren war sicherlich dieser Schritt auch dafür verantwortlich, dass EY im „reifen“ Markt Europa überproportional stark wachsen konnte.

Wird man also im nächsten Schritt „Deloitte Europe“ erwarten können?