KPMG baut eigene Strategy-Practice auf

KPMG bündelt die eigenen Strategieberatungskompetenzen erstmals in einer dedizierten Einheit, die den Namen „KPMG Strategy“ tragen wird. Dies vermeldete die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft in der vergangenen Woche. Ziel dieser Einheit wird es sein, strategisch-konzeptionelle Beratungsleistungen mit Hilfe von 900 zugeordneten Beratern in 35 Ländergesellschaften am Markt zu positionieren.

Die Leitung der neu geschaffenen Einheit übernimmt Lynne Doughtie, bisher verantwortlich für die Advisory-Practice in der Region Americas. Doughtie kommentiert (hier) zu der neuen Einheit: “In my almost 30 years here, I have always been looking at what the next market opportunity is. This is the next step in a journey to continue how we evolve.”

Was bedeutet die Ausgründung dieser neuen Einheit nun für den Beratungsmarkt? Letztlich verbirgt sich dahinter vorerst nicht mehr als eine KPMG-interne Reorganisation: Bereits an Bord befindliche Managementberatungsteams und -kompetenzen werden unter einem einheitlichen Markennamen integriert. Anders als PwC, das mit dem Kauf von Booz & Company einen Big Deal im Consulting-Markt durchgeführt hatte und seine Strategieberater unter dem Eigennamen Strategy& auftreten lässt, nahm KPMG zwar eine Reihe kleinerer Akquisitionen (BrainNet, CTG Corporate Transformation Group, Stratley, etc.) und Team-Hires vor, ordnete diese jedoch bisher noch nicht einer separaten Strategie-Practice zu.

Während Deloitte unter den Big Four seit dem Enron-Skandal Anfang der 2000er stärker im Consulting-Geschäft vertreten war als die drei direkten Wettbewerber, wird der Erfolg von KPMG, PwC und EY bei der Eroberung von Marktanteilen im strategischen Beratungsgeschäft von einigen Parametern abhängen. Wird es beispielsweise „blended rates“ geben, wodurch die Trennlinie zwischen hochpreisigen Strategieberatern und günstigeren Umsetzungsberatern für den Kunden verschwimmen wird? Werden die Big Four in der Lage sein, Top-Absolventen zu rekrutieren und zu halten? Werden Strategieberater bei mangelnder Auslastung im Strategy-Bereich auch verstärkt in operativen Projektthemen eingesetzt und wandern aufgrunddessen enttäuscht ab? Schaffen es die vier großen Servicegiganten, die sich für die kommenden Jahre massives Wachstum vorgenommen haben, bei den potenziellen Kundenunternehmen prioritär gelistet zu sein, da man aus einer Hand integrierte Lösungen bietet?

Die weitere Entwicklung des Beratungsmarktes hängt entscheidend auch von der Neuerfindung der Big-Four-Wirtschaftsprüfer ab. Die aktuelle Meldung, wonach KPMG eine neue Strategy-Practice aufbaut, ist in diesem Zusammenhang nur ein kleines Schlaglicht.

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