Paradigmenwechsel im Beratungsmarkt sorgt für Unruhe – und bietet Chancen

Seit der Lehman-Insolvenz und der nachfolgenden Finanzkrise haben sich für den Beratungsmarkt viele Rahmenbedingungen geändert, die zuvor jahrzehntelang Bestand hatten. Konnten Projekte früher über den persönlichen Kontakt zum Fachbereich gewonnen werden, sieht man sich einer zunehmenden Preissensitivität und einem erstarkenden Einkaufsbereich konfrontiert. Konnten Tagessätze bisher vom Consultant diktiert werden, weil man eine hoch professionelle Dienstleistung quasi-monopolistisch am Markt anbieten konnte, gibt es heute auch wegen der starken Inhouse-Beratungskompetenz bereits zwei Consultants zum Preis von einem. Beratung wird zur austauschbaren und immer preiswerteren Handelsware.

Diese Entwicklungen sind klare Attribute reifender Wirtschaftsmärkte und haben noch weitergehende Folgen. Hinter vorgehaltener Hand und selbst in offiziellen Interviews wird kolportiert, dass im heutigen Beratungsmarkt intensive Gespräche über mögliche Übernahmen oder Fusionen von fast jedem Marktteilnehmer geführt werden oder bereits abschlägig geführt wurden. Die kleineren und größeren Akquisitionen der vergangenen Monate verdeutlichen neben der Konsolidierungstendenz vor allem eines: Es entstehen vollkommen neuartige Beratungsansätze. Während die großen Wirtschaftsprüfungsunternehmen durch den Zukauf strategischer Beratungskompetenz an neuen Formen der Multispezialisierung schmieden, entstehen beispielsweise an anderer Stelle Joint Ventures und Kooperationsformen, die analytische mit umsetzungsorientierter Kompetenz verheiraten. Der Beratungsmarkt wird bunter.

Welche Implikationen hat dies für den einzelnen Berater? In einer aktuellen Studie, für welche die Personalberatung Odgers Berndtson 1.750 Unternehmensberater nach ihrer persönlichen Einschätzung zum Consulting-Markt befragt hat, berichtete etwa die Hälfte, dass ein Arbeitgeberwechsel im Jahr 2014 für Sie aufgrund der Veränderungen im Markt wahrscheinlicher geworden sei. Der Sprung in eine Industrieposition oder in eine spezialisierte Boutique-Beratung steht hierbei ganz oben auf der Präferenzliste. Consultants hinterfragen zunehmend kritisch die Karriereperspektiven in ihrem aktuellen Unternehmen und sorgen sich wegen der zunehmenden Unwägbarkeiten und Risiken um das Rekrutieren von Top-Absolventen. Nicht jedes Talent sieht in einem Beratungsmarkt, der sich im strukturellen Wandel befindet, das optimale Umfeld für die eigene Entfaltung.

Während sich die Beratungsunternehmen aktiv der Erneuerung und Innovation in eigener Sache verschreiben müssen, um langfristig erfolgreich zu sein, sieht der einzelne Berater für sich selbst eher die Chancen: Knapp die Hälfte der Befragten verspricht sich immerhin durch die strukturellen Veränderungen positive Konsequenzen in eigener Sache. Hier kommen die vielen neuen Alternativen zum Tragen, aus denen Berater zukünftig schöpfen können. Sei es die Ausarbeitung neuartiger Beratungskonzepte bei dem eigenen Arbeitgeber, sei es der Wechsel zu einem Beratungs- und Umsetzungshybriden oder aber der Sprung in ein Beratungsnetzwerk. Während viele Apologeten bereits den Untergang des Beratungslandes heraufbeschwören und die Consulting-Welt in den dunkelsten Farben zeichnen, deuten die Berater selbst und auch die ersten umgesetzten Innovationen auf eine ganz andere Zukunft hin.

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