Mit dem Management-Buyout und der Neupositionierung als „Fortlane Partners“ haben die Partner und Principals der früheren „goetzpartners“ einen mutigen Schritt vollzogen. Im Gespräch berichten die beiden Managing Directors, Axel Meythaler und Dr. Gunnar Binnewies, wie sie den Übergang von einer gründer- zu einer partnergeführten Beratung gestalten, welche Rolle Investor Kartesia dabei spielt und warum Unternehmertum, klare Verantwortung und Teamspirit die entscheidenden Erfolgsfaktoren sind. Sie sprechen über Chancen durch Technologie und KI, die Attraktivität ihres Beratungsmodells für Talente – und verraten, warum die Weihnachtsfeier kurz nach der Vertragsunterzeichnung ein ganz besonderer Moment war.
Daniel Nerlich: Herr Meythaler, Herr Binnewies, Sie haben Ihr Unternehmen in Fortlane Partners umbenannt. Was sind die Hintergründe zum Namen – und wie fällt das erste Feedback von Mandanten und Marktteilnehmern aus?
Axel Meythaler: Der Namenswechsel war ein sehr bewusster Schritt. Wir wollten damit zum einen ein Signal des Neustarts setzen, zum anderen aber auch den Wandel von einer gründer- zu einer partnergeführten Gesellschaft sichtbar machen. Der neue Name enthält für uns zwei wesentliche Bestandteile: „Fort“ steht für Stärke, „Lane“ für Richtung. Inhaltlich haben wir viel aus der alten Organisation mitgenommen – Wissen, Erfahrung, Referenzen. Das bildet eine starke Basis für unsere künftige Ausrichtung.
Gunnar Binnewies: Uns war wichtig zu zeigen, dass wir trotz des neuen Namens inhaltlich auf Kontinuität setzen. Wir bleiben in den Feldern Strategie, M&A und Transformation aktiv. Das Feedback aus dem Markt war durchweg positiv – sowohl zum Namen selbst als auch zum Management-Buyout insgesamt. Wir haben viele Rückmeldungen bekommen, dass unser Schritt konsequent und mutig war.

Seit dem Rebranding sind einige Monate vergangen. Welche Entwicklungen oder Veränderungen nehmen Sie seither in Ihrem Geschäftsumfeld oder innerhalb des Unternehmens wahr?
Gunnar Binnewies: Es ist kein Klient abgesprungen – im Gegenteil, unsere Pipeline ist gut gefüllt. Auch ehemalige Kontakte sind wieder näher an uns herangerückt. Im Unternehmen selbst hat das Rebranding eine echte Aufbruchstimmung ausgelöst. Wir haben von unseren Teams sehr positives Feedback bekommen, die Motivation ist hoch. Auch die Bewerberpipeline ist voll. Für mich war es ein starkes Zeichen, dass die Mannschaft den neuen Namen sofort angenommen hat – das ist ja nicht selbstverständlich.
Axel Meythaler: Es war beeindruckend zu sehen, wie schnell die Identifikation eingesetzt hat. Selbst im Recruiting spüren wir, dass sich die Marke Fortlane sofort verankert hat. Viele Kandidatinnen und Kandidaten nehmen uns bewusst als „neues Gesicht“ am Markt wahr – und gleichzeitig als Beratung, die auf langjähriger Erfahrung und Stabilität aufbaut.
Sie haben bewusst den Schritt gemacht und in einem Management-Buy-out unternehmerische Verantwortung übernommen. Woran lässt sich dieses Maß an Unternehmertum in der täglichen Arbeit wahrnehmen?
Gunnar Binnewies: Wir befinden uns in einer Neustartphase, aber nicht bei null. Wir haben eine starke Basis mit rund 150 Kolleginnen und Kollegen und bereits neue Talente dazugewonnen. Fortlane ist interdisziplinär aufgestellt – mit M&A- und Corporate-Finance-Expertise ebenso wie mit Transformations- und Managementberatung. Dieses Zusammenspiel vor, während und nach einer Transaktion zeichnet uns aus. Neu ist, dass noch mehr Partner wirklich unternehmerisch agieren – nicht nur finanziell, sondern auch im täglichen Geschäft. Verantwortung wird bei uns früh übernommen, Ideen können schnell umgesetzt werden.
Axel Meythaler: Für mich persönlich bedeutet der Schritt ins Unternehmertum auch ein anderes Mindset: Entscheidungen fallen schneller, Prioritäten werden klarer gesetzt, und jeder Partner ist noch stärker gefordert, das Unternehmen mitzugestalten. Das ist ein anderes Selbstverständnis – und genau das macht es so spannend.
Sie haben im Zuge des MBO den Finanzinvestor Kartesia als Mehrheitseigentümer gewinnen können. Wie lässt sich ihre Zusammenarbeit mit Kartesia beschreiben und wie unabhängig können Sie agieren?
Axel Meythaler: Die Zusammenarbeit ist sehr professionell und partnerschaftlich. Kartesia versteht sich als Finanzpartner, nicht als operative Instanz. Wir haben eine hohe Unabhängigkeit im Tagesgeschäft.
Gunnar Binnewies: Entscheidend ist, dass wir mit Kartesia einen Partner gefunden haben, der unseren Wachstumspfad wirklich unterstützt – sowohl finanziell als auch inhaltlich. Es ist ein Miteinander, bei dem wir die volle Verantwortung für unser Geschäft tragen, aber gleichzeitig den Rücken frei haben, um größere Ambitionen umzusetzen.

Hat der Einstieg von Kartesia Ihre Strukturen, Prozesse oder Führungsrollen verändert?
Axel Meythaler: Ja und nein. Viele Veränderungen ergaben sich ohnehin aus dem Management-Buyout. Kartesia bringt durch das Reporting zusätzliche Disziplin, aber die wesentlichen Anpassungen waren Teil unseres Transformationsplans – unabhängig vom Investor. Für uns war entscheidend, dass die Partnerschaft keine Einschränkung, sondern eine Unterstützung darstellt.
Die Positionierung von Fortlane wurde von einzelnen personellen Veränderungen begleitet. Wie gelingt es Ihnen, in dieser Phase der Weiterentwicklung zugleich Kontinuität, Teamkultur und Vertrauen im Markt zu wahren?
Gunnar Binnewies: Personelle Veränderungen sind in solchen Phasen normal, bei uns bewegten sie sich aber auf einem überschaubaren Niveau. Wichtig war, die Mannschaft eng einzubinden und die neue Positionierung klar zu kommunizieren. Das hat gut funktioniert – und unsere Kunden haben uns in dieser Phase die Treue gehalten.
Axel Meythaler: Wir haben sehr bewusst den Kontakt zu unseren wichtigsten Kunden gepflegt und sie frühzeitig eingebunden. Das war ein Schlüsselfaktor, um Vertrauen zu sichern. Gleichzeitig haben wir die Chance genutzt, unser Profil zu schärfen – und damit eine klare Botschaft an den Markt gesendet.
Der Beratungsmarkt befindet sich derzeit durch künstliche Intelligenz in einem grundlegenden Wandel. Welche Rolle spielt KI für Ihre Strategie?
Axel Meythaler: Technologie und KI sind zentrale Themen, auch für uns. Aber sie verändern das Geschäft nicht über Nacht. Wir sehen vielmehr, dass unser Grundverständnis unverändert bleibt: Wir arbeiten sowohl mit dem Vorstand als auch mit den operativen Teams eng zusammen und übernehmen Verantwortung bis zur Umsetzung. Technologie ist dabei eine Chance, keine Bedrohung. Heute haben auch mittelgroße Beratungen Zugang zu Tools und Daten, die früher nur großen Playern vorbehalten waren.

Gunnar Binnewies: Unser Ansatz ist es, Technologie nicht isoliert zu betrachten, sondern als integralen Bestandteil von Strategie und Transformation. Wir kombinieren Branchenexpertise mit technologischer Kompetenz – das ist es, was Kunden zunehmend von uns erwarten.
Viele junge Talente suchen nach fachlicher Exzellenz, klarer Haltung und guten Entwicklungsmöglichkeiten. Was macht Fortlane für Nachwuchskräfte attraktiv – gerade im Wettbewerb mit größeren Unternehmensberatungen?
Gunnar Binnewies: Wir bieten spannende Projekte auf Augenhöhe mit den Großen. Unsere Juniors übernehmen früh Verantwortung und sind nah am Kunden. Entwicklungsmöglichkeiten sind schneller und breiter als in großen Häusern, auch international. Ab Principal-Level gibt es zudem die Möglichkeit, sich zu beteiligen. Dieser unternehmerische Ansatz ist ein starkes Argument im Wettbewerb um Talente.
Axel Meythaler: Für viele junge Beraterinnen und Berater ist es attraktiv, dass sie bei uns nicht nur ein kleines Rädchen im Getriebe sind. Sie gestalten mit, übernehmen Verantwortung und können ihre eigenen Ideen einbringen. Das ist ein ganz anderes Spielfeld als in einer anonymen Großorganisation.
Gab es in den vergangenen Monaten einen besonders prägenden Moment für Sie persönlich?
Gunnar Binnewies: Ein Kundengespräch ist mir in Erinnerung geblieben: Eine Managerin unseres Kunden sagte uns, wir stünden im Vergleich zu allen anderen Beratungen, mit denen sie gearbeitet hat, besonders positiv heraus – durch Erfahrung, Engagement und die Qualität des Teams. Dieses ungefragte Feedback hat mir noch einmal gezeigt, welches Potenzial in uns steckt.
Axel Meythaler: Für mich war prägend, wie sehr die gesamte Mannschaft den MBO mitgetragen hat. 150 Kolleginnen und Kollegen zusammenzuhalten und Ownership zu erleben, das hat mich beeindruckt – und auch stolz gemacht.

Auf den sozialen Medien haben Sie Fotos Ihrer Weihnachtsfeier 2024 veröffentlicht, die damals besonders ins Auge fielen. Welche Emotionen transportieren diese Bilder?
Axel Meythaler: Die Weihnachtsfeier fand nur zwei Tage nach der Unterzeichnung des MBO statt. Nach acht Monaten intensiver Arbeit war das ein emotionaler Höhepunkt. Alle haben gespürt: Wir haben das gemeinsam geschafft. Es war ein Symbolmoment: Wir feiern nicht nur, wir halten auch in anspruchsvollen Zeiten zusammen.
Wenn Sie in zwölf Monaten zurückblicken werden – woran messen Sie Ihren Erfolg?
Axel Meythaler: Erstens: Wenn unsere Strategie aufgegangen ist. Zweitens: Wenn wir weiterhin so positiv von Kunden wahrgenommen werden. Drittens: Wenn die Mannschaft zusammenhält und wir an den richtigen Stellen wachsen. Und schließlich: Wenn es uns immer noch genauso viel Spaß macht wie heute.
Gunnar Binnewies: Dem schließe ich mich an. Entscheidend ist, dass wir uns unseren besonderen Spirit bewahren. Wer zu uns kommt, spürt sofort die Energie und den Unternehmergeist. Das ist unsere Basis – und unser Versprechen für die Zukunft.
Herr Meythaler, Herr Dr. Binnewies, vielen Dank für dieses Gespräch.
Titelbild: © Fortlane Partners
