„Embrace the irregular“ – Warum Implement Consulting bewusst anders berät, verrät Partnerin Anna Osinski-Wysluch

Mit einem frischen, menschenzentrierten Ansatz will Implement Consulting den deutschen Finanzsektor erobern. Partnerin Anna Osinski-Wysluch spricht über den gezielten Marktausbau, Differenzierung zur klassischen Strategieberatung und die Rolle von Technologie. Warum echte Wirkung beim Menschen beginnt – und was Feuerschlucken mit Transformation zu tun hat, verrät sie im Interview.


Daniel Nerlich: Mit dem Einstieg von Ihnen und zwei weiteren Partner-Kollegen signalisiert die Implement Consulting Group klar den Ausbau im Bereich Financial Services. Was genau ist das Ziel dieser strategischen Erweiterung – und wie sieht der angestrebte Fußabdruck im deutschen Markt aus?

Anna Osinski-Wysluch: Implement versteht sich als Transformationspartner von Unternehmen und ist bereits in Skandinavien Marktführer. Diese Position wollen wir nun auch in Deutschland weiter ausbauen. Während uns der Markteintritt im Industriesektor bereits gut gelungen ist, sehen wir großes Potenzial, auch im deutschen Finanzsektor Fuß zu fassen. Die Schweiz ist uns hier zeitlich ein wenig voraus, dort läuft der Aufbau im Bereich Financial Services bereits sehr erfolgreich. Unser Ziel ist es, mit einem frischen, menschenzentrierten Ansatz und einem klaren Fokus auf Transformation eine relevante Alternative im deutschen Markt zu etablieren.

Anna Osinski-Wysluch (Mitte) mit ihren Kollegen Florian Hartmann (links) und Heiko Faust (rechts) © Implement Consulting Group

Mit der Expansion in den Financial-Services-Sektor betritt Implement in Deutschland einen Markt, der bereits von großen, etablierten Beratungen geprägt ist. Wo sehen Sie konkrete Differenzierungsmöglichkeiten – fachlich, kulturell oder methodisch?

Wir bringen fundierte Erfahrung aus dem deutschen Finanzdienstleistungsmarkt mit und kennen die Branche aus langjähriger, praktischer Projektarbeit. Hinzu kommen unsere skandinavischen Kolleginnen und Kollegen, die Impulse aus hochinnovativen Märkten wie Dänemark einbringen – etwa zu Themen wie Künstliche Intelligenz, Automatisierung und Skalierung. Methodisch gehen wir bei Implement stärker auf den Kunden ein: Wir hören zu, arbeiten co-kreativ mit dem Kunden und fokussieren uns auf den Impact, den wir erzielen möchten. Wir setzen auf echte Interaktion statt nur klassischer Präsentationen. Auch kulturell ist Implement besonders – wir sind eine Netzwerkorganisation ohne klassische Hierarchien mit der klaren Ambition, der beste Arbeitgeber für die besten Mitarbeitenden zu sein.

Welche Themen im Finanzsektor sehen Sie aktuell als besonders drängend an – und wie möchte Implement hier neue Impulse setzen, die über klassische Beratung hinausgehen?

Die Branche steht aktuell unter starkem Druck: geopolitische Unsicherheiten, wachsende Regulatorik und technologische Umbrüche prägen den Alltag vieler Institute. Künstliche Intelligenz ist dabei ein dominierendes Thema – sowohl als Chance als auch als Risiko. Unser Ansatz lautet: „Embrace the irregular.“ Wir helfen Kunden, resilienter zu werden – durch robuste Operating Models, widerstandsfähige Prozesse und eine gezielte Befähigung der Mitarbeitenden. Gerade bei KI decken wir die gesamte Wertschöpfungskette ab – von der Identifikation sinnvoller Use Cases über Implementierung bis zur nachhaltigen Adaption im Unternehmen.

Anna Osinski-Wysluch © Implement Consulting Group

Implement verfolgt einen stark menschenzentrierten Beratungsansatz. Wie passt das zu einer Branche, die traditionell auf Effizienz, Kostenkontrolle und Risikomanagement fokussiert ist?

Genau darin liegt unsere Überzeugung: Selbst das beste Zielbild bringt nichts, wenn es nicht von Menschen getragen wird. Strategien, Prozesse, Risikoanalysen – sie alle müssen verstanden, akzeptiert und gelebt werden. Unser Motto lautet: „Beginne bei den Menschen.“ Wir hören zu, analysieren sorgfältig und begleiten unsere Kunden bis zur Umsetzung. Ein Kunde sagte kürzlich: „Als alle anderen Berater schon gegangen waren, war Implement noch da.“ Das beschreibt unseren Anspruch ziemlich gut: nicht nur beraten, sondern Verantwortung übernehmen – bis die Veränderung wirklich greift.

Sie bauen den Bereich Financial Services aktuell mit einem kleinen, schlagkräftigen Team auf. Wie gehen Sie strategisch und organisatorisch dabei vor?

Wir verfolgen zwei Wachstumsstränge: intern und extern. Intern bauen wir unser Team konsequent aus und gewinnen kontinuierlich neue Talente – sowohl junge als auch erfahrene Expertinnen und Experten. Extern steigern wir unsere Sichtbarkeit durch Messeauftritte, Netzwerkveranstaltungen und gezielte Kommunikation. Wir bringen neue Perspektiven in den Markt – und stoßen dabei auf großes Interesse. Gerade in Zeiten des Wandels ist der Bedarf nach frischen Impulsen groß. Dieses Momentum wollen wir nutzen.

© Implement Consulting Group

Sie sind mit einem eingespielten Team von einer Top-Strategieberatung zu Implement Consulting gewechselt. Bringt das aus Ihrer Sicht mehr Glaubwürdigkeit und Geschwindigkeit beim Aufbau der neuen Practice – oder sorgt es auch für zusätzliche Erwartungen?

Natürlich ist es ein Vorteil, wenn man sich aus früheren Projekten gut kennt, weiß, wie der andere denkt, arbeitet und Entscheidungen trifft. Das gibt uns Tempo und Vertrauen im Aufbauprozess. Nach außen zählt aber vor allem unsere fachliche Erfahrung: Was haben wir im Markt bereits geleistet, wie tief kennen wir die Branche? Kunden fragen weniger nach früheren Labels, sondern danach, ob wir ihre Herausforderungen wirklich verstehen – und dabei den richtigen Ton treffen.

Wie haben Ihre bisherigen Kontakte auf den Wechsel reagiert? War Implement bereits bekannt?

In den meisten Fällen war Implement tatsächlich noch unbekannt. Umso spannender war es, als wir die ersten Gespräche führten: Viele Kunden waren sehr offen und begrüßten die neue Option – auch, weil sie in uns eine leistungsfähige, aber bewusst andere Alternative sahen. Bei Implement haben wir viel mehr Freiraum, auch operative Umsetzungen zu begleiten, was bei klassischen Strategieberatungen nicht immer möglich ist. Diese Nähe zur Umsetzung wird sehr geschätzt.

Was unterscheidet die Arbeit von Implement im Bereich komplexer Transformationen im Vergleich zu etablierten Strategieberatungen?

Bei uns steht der tatsächliche Impact im Mittelpunkt. Wir wollen nicht nur Konzepte liefern, sondern echte Wirkung erzielen – fachlich, menschlich und kulturell. Das gelingt nur, wenn man strategisches Denken mit operativer Umsetzung und Change-Kompetenz verknüpft. Unser Co-Creation-Ansatz bringt Kunden und Berater eng zusammen. Wir verstehen uns nicht als „Rezeptaussteller“, sondern als aktiver Sparringspartner – bis Veränderungen greifen. Und idealerweise auch so, dass der Erfolg nachhaltig ist und vom Kunden dann selbstständig weitergetragen werden kann.

Welche Rolle spielen Technologie und Datenkompetenz bei Implement?

Technologie ist ein integraler Bestandteil unserer Arbeit – aber eher ein Hygienefaktor als Differenzierungsmerkmal. Gerade im Bereich Künstliche Intelligenz haben wir intern starke Kompetenzen aufgebaut, inklusive eines eigenen Tech-Teams. Wir nutzen datenschutzkonforme KI-Tools und bieten kontinuierliche Schulungen an. Das Ziel: Technologie möglichst selbstverständlich in die tägliche Arbeit integrieren – damit mehr Zeit bleibt für das, was wirklich zählt: zuhören, verstehen, lösen.

© Implement Consulting Group

Persönlich gefragt: Was hat Sie am Beratungsverständnis von Implement so überzeugt, dass Sie sich nach vielen Jahren bei einer Top-Strategieberatung zu diesem Wechsel entschieden haben?

Ganz klar: die Menschen. Die Vielfalt an Erfahrungen, Lebensläufen und Persönlichkeiten hat mich tief beeindruckt. Ich habe schnell gemerkt: Mit diesen Kolleginnen und Kollegen will ich zusammenarbeiten – und gemeinsam etwas aufbauen. Die Energie, Offenheit und Kreativität kombiniert mit einem hohen professionellen Anspruch – das hat mich überzeugt. Und ja, auch die Möglichkeit, etwas Neues mitzugestalten, war ein starker Antrieb.

Und zum Schluss: Wenn Sie auf den Start in diesem neuen Umfeld blicken – gibt es einen Moment oder Eindruck in den ersten Wochen, der Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Definitiv. Bei einem internen Event in Kopenhagen stand ich plötzlich vor der Herausforderung, eine brennende Fackel in den Mund zu nehmen – Feuerschlucken! Das war Teil einer Reihe von Challenges rund um Resilienz und persönliche Grenzen. Anfangs dachte ich: „Auf keinen Fall!“ – und habe es dann doch gemacht. Es war beängstigend, aber auch unglaublich befreiend. Eine Erfahrung, die mir wieder gezeigt hat: Man kann nur gewinnen, wenn man sich aus seiner Komfortzone wagt.

Vielen Dank für dieses Gespräch.

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