Kolumne mit Prof. Dr. Thomas Deelmann: „Zweieinhalb Fragen zu…den möglichen Auswirkungen der Bundestagswahl auf die Consulting-Branche“

In der Kolumne „Zweieinhalb Fragen zu…“ gibt der „Consulting-Professor“ Thomas Deelmann Einblicke zu aktuellen Themen oder generellen Trends im Beratungsmarkt. Zugespitzt und auf den Punkt.


Die Union ist als stärkste Partei aus der Bundestagswahl vom 23. Februar 2025 hervorgegangen. Neben den drängenden internationalen und nationalen Themen: Wird der Regierungswechsel Auswirkungen auf die Beratungsbranche und den Markt in Deutschland haben?

Prof. Deelmann: CDU und CSU haben sich im Vorfeld der Wahl dafür ausgesprochen, Beratungsleistungen für den Mittelstand und rund um KI anzubieten. Das könnte zwar etwas Wettbewerb für bestehende Akteure bedeuten – aber erstens belebt Konkurrenz bekanntlich das Geschäft. Und zweitens dürfte der Kuchen in diesen Feldern so groß sein, dass es kaum ins Gewicht fällt. Zudem hat sich die Union so viele Dinge vorgenommen, dass bei den zu erwartenden Veränderungen einiges an Beratungsbedarf in der Wirtschaft entstehen wird.

Friedrich Merz © Markus Schreiber/AP

Für manche Beratungen wird sicherlich die Idee der Personalpartnerschaft interessant werden. Hierbei sollen sich zwei Unternehmen leichter untereinander Personal zur Verfügung stellen können. Das würde Kooperationen nochmal erleichtern. Und auch bei der Arbeitszeitregelung und den Themen Homeoffice- und mobiles Arbeiten in Europa will die Union die Bedingungen lockern.

Das ist dann die Perspektive von CDU und CSU. Für eine Regierungsmehrheit bräuchte sie mindestens noch die SPD als Partner. Was ist hier zu erwarten?

Prof. Deelmann: Stimmt, Arbeitszeitlockerungen stehen bei der SPD vermutlich nicht hoch im Kurs. Aber bei den anderen Themen sind weniger Konflikte zu erwarten. Die Genossen wollen auch in die KMU-Beratung einsteigen und haben einige Themen im Portfolio, die Beratungsbedarf in der Wirtschaft induzieren – etwa rund um den Schutz Kritischer Infrastrukturen. Und sie wollen ebenso wie die Union das Thema Bürokratieabbau angehen. Das wird nicht alleine mit ministeriellen Bordmitteln zu stemmen sein: Auch hier ist also Beratungs- und Unterstützungsbedarf zu finden.

Und die Erfahrung zeigt: Schwarz und Rot haben über „ihre Ministerien“ gerne Beratungen beauftragt und auch mit Hilfe von Regierungsprogrammen immer wieder Impulse für die Consulting-Nachfrage gegeben. Allerdings: Die angespannte Haushaltslage mag die direkte Nachfrage derzeit etwas bremsen.

Hinweisen will ich noch auf Die Linke. Sie hat sich in den letzten Jahren oft für die Beratungsausgaben des Bundes interessiert und insbesondere in der letzten Großen Koalition ihre Oppositionsrolle souverän ausgeübt. Durch ihr gutes Wahlergebnis und ohne die lähmenden innerparteilichen Kämpfe der letzten Legislatur geht sie gestärkt in die neue Wahlperiode und wird vermutlich wachsam bleiben. Das ist dann nämlich die andere, sehr notwendige Seite der Medaille: Der Umgang mit externer Beratung im Bund muss professioneller werden und da braucht es ein Korrektiv.

Den Koalitionsvertrag der Ampel haben Sie als ein Konjunkturprogramm für die Beratungsbranche bezeichnet. Wird es auch diesmal so kommen?

Prof. Deelmann: Das ist schwer zu sagen. In den Sondierungen und Verhandlungen kann noch Unerwartetes passieren – auch das zeigt die Vergangenheit. Aber ich sehe nichts, das dagegenspricht.


Prof. Dr. Thomas Deelmann © privat

Thomas Deelmann ist Professor für Management und Organisation an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung (HSPV) Nordrhein-Westfalen. Nach einer Verwaltungsausbildung und Wirtschaftsstudium arbeitet und forscht er seit über 20 Jahren als, für, mit und über Berater – in einem internationalen Beratungskonzern, als Beratungseinkäufer in einem DAX-Unternehmen, Projektleiter, Auftraggeber von Beratungen, Betroffener von Consulting-Projekten, Inhouse- und freier Consultant sowie in der Lehre und Forschung zur Unternehmens- und Verwaltungsberatung.

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