Kolumne mit Prof. Dr. Thomas Deelmann: „Zweieinhalb Fragen zu…dem Beraterstopp bei der Lufthansa und warum er eigentlich langweilig ist“

In der Kolumne „Zweieinhalb Fragen zu…“ gibt der „Consulting-Professor“ Thomas Deelmann Einblicke zu aktuellen Themen oder generellen Trends im Beratungsmarkt. Zugespitzt und auf den Punkt.


Im Handelsblatt ist zu lesen, dass bei der Lufthansa „unverzüglich und spätestens bis zum 1. Januar alle Verträge mit externen Beratern zu kündigen“ seien. Überrascht Sie das?

Solche Beraterstopps – oder Rauswürfe, wie es Der Spiegel nennt – kommen mehr oder minder regelmäßig und in vielen Organisationen vor.

© HANDELSBLATT

Und wenn es einen bekannten Konzern trifft, dann ist das ein Fall für die großen Wirtschafts- und Publikumsmedien und es wird dementsprechend prominent diskutiert. Die Gründe für einen solchen Schritt können in hausinternen Problemen oder gesamtwirtschaftliche Krisen liegen. Für die Lufthansa ist das auch nicht die erste Kürzung von Beratungsausgaben. Die Nachricht war also nicht überraschend. Mit einer gewissen Distanz betrachtet ist ein solcher Beratungsstopp sogar eher langweilig.

Das müssen Sie bitte erklären: Projekte beim Kunden werden angehalten und ganze Projektteams müssen sich umorientieren. Nicht zu vergessen sind die umsatzgetriebenen Bonuszahlungen von Consultants, die jetzt wegfallen. Das soll langweilig sein?

Naja, als singuläres Ereignis ist das schon interessant. Aber deutlich spannender ist dann doch die Frage: Wie geht es weiter und was kommt nach dem Stopp? Da gibt es verschiedene Reaktionsmuster. Manchmal sieht man einen schnellen Rebound auf mehr oder minder das Ausgangsniveau. Das könnte man als „Siemens-Variante“ bezeichnen.

Ganz anders die „Variante Verteidigungsministerium“: Im Zuge der Berateraffäre sind die Ausgaben von 155 Millionen Euro im Jahr 2019 auf fast Null heruntergerauscht – und verharren jetzt dauerhaft auf niedrigem Niveau. Selbst die interne Beratung des Ministeriums hatte hier zu leiden. Und dann gibt es noch die „Telekom-Variante“. Nach einem beherzten Tritt auf die Ausgabenbremse in den Nullerjahren gab es einen Aufbau von Kundenkompetenzen und dann ein kontrolliertes Wiederhochfahren von Beratungsprojekten.

Und was raten Sie der Lufthansa? Wie sollte es dort weitergehen?

Von der Seitenlinie mag ich eigentlich keine Ratschläge geben und vermutlich bin ich auch voreingenommen. Aber mir scheint die dritte Variante ganz clever zu sein.


Prof. Dr. Thomas Deelmann © privat

Thomas Deelmann ist Professor für Management und Organisation an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung (HSPV) Nordrhein-Westfalen. Nach einer Verwaltungsausbildung und Wirtschaftsstudium arbeitet und forscht er seit über 20 Jahren als, für, mit und über Berater – in einem internationalen Beratungskonzern, als Beratungseinkäufer in einem DAX-Unternehmen, Projektleiter, Auftraggeber von Beratungen, Betroffener von Consulting-Projekten, Inhouse- und freier Consultant sowie in der Lehre und Forschung zur Unternehmens- und Verwaltungsberatung.

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