DANIEL NERLICH: Liebe Frau Strachwitz, Sie haben seit September 2023 die Verantwortung für die Kommunikations- und Change-Beratung von FTI Consulting in Deutschland. Was ist Ihr erstes Zwischenfazit zu Ihrer neuen Rolle?
VICTORIA STRACHWITZ: Wir bewegen was. Ich bin von der Energie und der Passion im Team begeistert. In meinen ersten Wochen meiner neuen Rolle habe ich eine Listening-Tour durch die gesamte Organisation gemacht, um mir aus erster Hand von meinem Team Impulse geben zu lassen. Auf der Basis haben wir einige Quick wins umgesetzt. Viel wichtiger ist mir aber, dass wir nachhaltig unsere Beratung für die Zukunft aufstellen können – das geht nicht in neun Monaten.
Worin liegen für Sie die wichtigsten Punkte auf Ihrer strategischen Agenda der anstehenden Jahre?
Digitalisierung, Künstliche Intelligenz (KI) und Team. KI beschäftigt nicht nur unsere Kunden, sondern auch uns. Wir denken einiges neu und um. Zweitens, und das ist mir besonders wichtig: das Team. Wir sind ein People Business und wir wollen als FTI Consulting die Talente anziehen, fördern und entwickeln, die Lust haben, hier mit uns weiter zu wachsen und Neues aufzubauen. Da geht es auch um die richtigen Skills der Zukunft in unserem Beratungsgeschäft.

Welche Themenbereiche stehen bei Ihnen im Fokus des Wachstums?
Besonders nachgefragte Themenbereiche befassen sich mit Themen rund um die Krise – hier insbesondere mit den Schwerpunkten auf Cyber und Litigation. Außerdem werden wir weiterhin in den Bereichen „Corporate & Governmental Affairs“ und „People & Transformation“ wachsen. Wir hoffen zugleich auf die Rückkehr des Transaktionsgeschäfts, das sich zuletzt eher ruhig darstellte. Und schließlich setzen wir auf ein exzellentes Angebot zum Themenfeld ESG und Nachhaltigkeit.
In Ihrem Bereich „Public & Governmental Affairs” hat es zuletzt eine personelle Veränderung gegeben…
Richtig, wir haben mit Caroline Mücke-Kemp eine neue Chefin für den Bereich eingesetzt, die in den vergangenen eineinhalb Jahren das Geschäft positiv vorangetrieben hat.
Wir sind auf dem Weg, in Berlin wieder wer zu sein.
Eine Verdoppelung unseres Geschäfts ist im vollem Gange. Aber insbesondere die Schnittstelle zwischen Public und Corporate Affairs, also die Verbindung zwischen Politik und Unternehmen, ist für uns ein besonders wichtiger Geschäftsbereich.
Sie sprachen von Ihrem „People & Transformation“-Bereich. Was sind hier die Themen, auf die Sie setzen?
Ich bin der Überzeugung, dass wir mit unserem „People & Transformation“ Team etwas anbieten, was in dieser Konstellation von keinem anderen Marktbegleiter offeriert wird. Wir machen nicht nur die Change-Kommunikation, sondern können über HR-Professionals die Schnittstelle zur People-Abteilung unserer Klienten herstellen und zum Beispiel über Performance Management und Kultur-Themen sprechen. Und weil wir keine Kommunikationsagentur, sondern eine Unternehmensberatung sind, können wir auch mit unseren Kunden in den Bereichen Strategie, Corporate Finance oder mit den Business-Leadern diskutieren. Unser „People & Transformation“ Team ist genau in der Mitte zwischen all diesen Stakeholdern bestens positioniert.
Was ist aus Ihrer Sicht im Kern die DNA von FTI Consulting? Sind Sie eine Kommunikationsberatung, eine HR-/Change-Beratung oder eine generalistische Managementberatung?
Wir sind alles davon. Das ist genau das, was uns unterscheidet. Ja, wir haben eine tiefe Expertise in der Kommunikation, im Change Management und in der politischen Beratung – mit jeweils dedizierten Teams und sehr klaren Profilen. Und das Ganze bringen nicht nur einzeln an den Markt, sondern auch zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen der anderen FTI Teams: Cyber, Technology, Business Transformation und vielen mehr. Die FTI Consulting Plattform macht uns zu noch besseren Beraterinnen und Beratern in der strategischen Kommunikation und im Change.
Wenn es eine solche Diversität an Themen und Ausrichtungen gibt: Wie schaffen Sie es als Arbeitgeber, diese Vielfalt zu integrieren?
Unternehmergeist und Expertise gepaart mit aufrichtigem Interesse an Menschen und einer ehrlichen Freude zu Kollaborieren. FTI ist ein Abenteuerspielplatz, da fühlt man sich wohl, wenn man gute Ideen hat und diese mit smarten Kolleginnen und Kollegen umsetzen kann. Wenn ich echtes Interesse an Menschen habe, dann bringe ich auch die Geduld auf, mich auf die Andersartigkeit meiner Kolleginnen und Kollegen einzulassen. Man begibt sich auf eine gemeinsame Reise, auf der man sich gegenseitig von den Themen und Problemen der Kunden berichtet und dann eine gemeinschaftliche Lösung entwickelt. Das kann auch einmal zwei Jahre dauern, bis man im Denken integriert ist. Das hat sehr stark mit der menschlichen Beziehung und dem gegenseitigen Interesse füreinander zu tun – und dem Spaß, zu kollaborieren. Das muss einem schon aufrichtig Spaß machen, wenn auf einmal Menschen, die mit der anderen Gehirnhälfte denken als man selbst, auf einmal neue Impulse geben.
Bei uns werden Menschen glücklich, die Lust darauf haben, in einem diversen Team gemeinsam etwas aufzubauen. Ich laufe auch heute immer noch durch unsere Flure und entdecke auf diesem „Abenteuerspielplatz“ Neues, von dem ich gar nicht wusste, dass wir das in unseren Reihen finden können. Wie toll ist das?
Wie würden Sie die Unternehmenskultur beschreiben, die Sie bei FTI entwickeln möchten?
Wir haben eine starke Unternehmenskultur, die für mich nicht starr steht, sondern an der wir aktiv arbeiten. Teile einer Unternehmenskultur sollten mitwachsen und sich an neue Gegebenheiten anpassen können – andere sind und bleiben Teil unserer DNA. Was mich überzeugt: Wir achten auf einander, wir schaffen Raum für Entwicklung und neue Ideen. Wir nehmen uns Zeit für Qualität und haben keine Angst, Dinge in Frage zu stellen…und wir leben den Grundsatz „Family First“.
Sie selbst sind bereits seit 2010 bei FTI Consulting tätig. Wie hat sich das Unternehmen in den vergangenen 14 Jahren verändert?
Es hat sich so viel verändert – von 20 Leuten im strategischen Kommunikationssegment zu über 300 Kolleginnen und Kollegen in Deutschland über unsere 5 FTI-Segmente hinweg. Ein großer Teil unseres Business sind event-getriebe Situationen und Projekte – das hat sicherlich auch unser Business Model verändert. Wir haben eine Change-Beratung aufgebaut und haben eines der führenden Krisenkommunikationsteams in Deutschland etabliert. Einiges ist aber auch geblieben – unter anderem viele tolle Kolleginnen und Kollegen in Deutschland und international, mit denen ich nun schon über 14 Jahre zusammenarbeiten darf.

Im Alter von 33 wurden Sie bereits in die Geschäftsführung von FTI Consulting berufen und tragen somit bereits seit 8 Jahren nennenswerte Führungsverantwortung. Welche Lehren ziehen Sie für sich, wenn es um Führung im Professional-Service-Bereich geht?
Mein Rat: Mutig sein und für die Zukunft vorbauen! Das Professional-Services-Geschäft ist hoch volatil und abhängig von vielen externen Faktoren. Die größte Gefahr besteht darin, wegen der vielen Unwägbarkeiten nicht voranzuschreiten. Man muss im Hier und Jetzt Entscheidungen treffen, die die Zukunft betreffen. Du musst also eine Annahme treffen und wenn es in drei Monaten anders gekommen ist, sollte man adäquat anpassen. Aber verbaue dir nicht die Zukunft, weil du heute Angst hast. Ein schlechter Monat kann dazu führen, dass man zu konservative Entscheidungen trifft, die Einfluss auf die Zukunft haben.
Gerade im Professional Services sollte gelten:
Menschen nach Potenzial führen und eine Vision haben, hinter der dein Team steht.
Man sollte idealerweise bereits die Personen zwei und drei hinter einem aufgebaut haben. Wenn du nicht das Vertrauen in deine Teammitglieder hast, dann sind sie auch nicht am richtigen Ort.
Und bezüglich Vision: Ich habe viele Menschen kennengelernt, die keine Vision hatten oder diese nicht artikulieren konnten. Oder es war nur deren eigene Vision – nicht aber die des gesamten Teams.
Welchen Karrieretipp würden Sie jungen Beraterinnen und Beratern geben, die eine vergleichbar erfolgreiche Karriere im Consulting anstreben?
In der Beratung kommen zwei fundamentale Dinge zusammen: Deine Expertise und deine Persönlichkeit. In beide sollte man investieren. Viele junge Talente sagen sich: „Wenn ich das schon gemacht habe, kann ich es und habe es verstanden“. Beratung ist aber nicht nur deine fachliche Expertise! Beratung bedeutet, Persönlichkeit zu zeigen, Beziehungen aufzubauen und sich als Trusted Advisor zu positionieren.
Und ich sage jedem Young Talent: Selbstmanagement ist das A & O. Ich hinterfrage mindestens zwei Mal im Jahr, ob meine Routinen, mich und andere zu managen, funktionieren und passe sie regelmäßig an. Schließlich noch meine letzte Empfehlung: Auch wenn man Beraterin oder Berater mit Kundenfokus ist, sollten wir alle verstehen, wie unsere eigene Professional Services Firm funktioniert und wie sie geführt wird. Was sind unsere Kennzahlen? Wie führen wir entlang der Kennzahlen? Man sollte das von Beginn an lernen und im Blick behalten.
Herzlichen Dank für das Gespräch!
Zur Person
Victoria Strachwitz leitet als Senior Managing Director die strategische Kommunikations- und Change-Beratung von FTI Consulting in Deutschland. Sie verantwortet zudem als Co-Lead die People & Transformation Practice global. Victoria ist Expertin für Veränderungsmanagement und Veränderungskommunikation, Führungs- und Organisationsentwicklung. Sie berät Unternehmen bei Transformationen, Transaktionen und Kulturentwicklungen und arbeitet dabei eng an der Schnittstelle zwischen Unternehmensführung, Kommunikation und Personalwesen. Sie kam 2010 zu FTI Consulting, nachdem sie zuvor als Broker und Investor Relation-Beraterin in London tätig war. Victoria Strachwitz ist Mutter und lebt in Frankfurt.

