In der Kolumne „Zweieinhalb Fragen zu…“ gibt der „Consulting-Professor“ Thomas Deelmann Einblicke zu aktuellen Themen oder generellen Trends im Beratungsmarkt. Zugespitzt und auf den Punkt.
Die jüngsten Ergebnisse der PISA-Studie sind vor ein paar Tagen erschienen. „Deutsche Schüler schneiden so schlecht ab wie nie“, schreibt dazu die Tagesschau. Wenn die Schüler älter werden, wird das dann auch Auswirkungen auf die Beratungsbranche haben?
Prof. Dr. Thomas Deelmann: Naja, das hat es ja heute schon. In Gesprächen mit Recruiting-Beteiligten schwingt eine Aussage fast immer mit: Das Bildungsniveau sinkt. Das ist erstmal plausibel, da ja die PISA-Ergebnisse schon länger kein Grund zum Jubilieren sind. Die Kompetenzen der Berufseinsteiger sind also offenbar noch OK, lassen aber nach. Wobei zu den Beratungen wohl immer noch die eher besseren Schüler beziehungsweise Absolventen kommen.

Kann Künstliche Intelligenz (KI) hier helfen, getreu dem Motto: Was der menschliche Berater nicht mehr kann, muss der Robo-Consultant übernehmen?
Prof. Dr. Thomas Deelmann: Das wird nur bedingt gelingen. Denn: Man muss KI bedienen, ihre Arbeit und die Ergebnisse einordnen können. Liefert mir eine KI „Brainstorming“-Ergebnisse, dann muss ich sie inhaltlich für eine Weiterverarbeitung einschätzen können. Soll sie mir eine Folie malen, muss ich vorher einen entsprechenden Prompt formulieren. Und fasst sie einen Bericht zusammen, dann muss ich die Summary evaluierten und bewerten. Werden die Antworten unreflektiert übernommen, dann nützt auch die KI nicht viel. Das hat jüngst eine BCG-hausinterne Studie gezeigt.
Allerdings sind Beratungen sehr gut darin, sich mit veränderten Rahmenbedingungen zu arrangieren. Und so werden sie das auch mit der Nutzung von KI machen.
Gilt das auch für die PISA-Entwicklungen? Bekommen Beratungen auch den Umgang damit hin?
Prof. Dr. Thomas Deelmann: Ja, allerdings ist die Herausforderungen groß: Die Branche braucht immer mehr Juniors – die aber immer weniger können.

Thomas Deelmann ist Professor für Management und Organisation an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung (HSPV) Nordrhein-Westfalen. Nach einer Verwaltungsausbildung und Wirtschaftsstudium arbeitet und forscht er seit über 20 Jahren als, für, mit und über Berater – in einem internationalen Beratungskonzern, als Beratungseinkäufer in einem DAX-Unternehmen, Projektleiter, Auftraggeber von Beratungen, Betroffener von Consulting-Projekten, Inhouse- und freier Consultant sowie in der Lehre und Forschung zur Unternehmens- und Verwaltungsberatung.
