Künftig nur noch Grant Thornton – das „Next Six“-Unternehmen will auch im Bereich Technology angreifen

DANIEL NERLICH: Herr Dr. Hülsberg, als Mitglied des Vorstands verantworten Sie bei Warth & Klein Grant Thornton den Bereich Technology & Innovation. Was umfassen diese Themen?

DR. FRANK HÜLSBERG: Hiermit sind gleich vier Aufgabenbereiche verbunden. Mit Blick auf den Markt verantworte ich zum einen die Service Line „Governance, Risk, Compliance & Technology“, die unsere Mandanten bei deren Digitalisierungsaktivitäten, deren IT-Strategie und -Betrieb sowie im Bereich IT Security/Cybercrime professionell unterstützt. Zum anderen unterstütze ich unsere Geschäftsbereiche und Service Lines bei der Digitalisierung ihrer Services. Beispiele sind die Automatisierung von Buchhaltungs- und Abschlusserstellungsfunktionen über die Nutzung Vertragserstellungs- und Analysetools hin zur automatisierten Datenanalyse bei Abschlussprüfungen.

Dr. Frank Hülsberg – Vorstandsmitglied bei Grant Thornton

Intern obliegt mir die Federführung für die Modernisierung und den Betrieb unserer eigenen IT-Landschaft sowie in Zusammenarbeit mit den jeweiligen internen Servicebereichen und den Geschäftsbereichen die Modernisierung und Digitalisierung unserer eigenen Prozesse.

Sie treiben also neben der Digitalisierung auch die Innovationen bei Warth & Klein intern voran. Was kann man sich konkret darunter vorstellen?

Innovationen sind kein Zufallsprodukt, sondern müssen systematisch entwickelt und konsequent umgesetzt werden. Wir haben deshalb ein unternehmensweites Programm in Form einer Ideenplattform ins Leben gerufen, um Innovationen von der Idee bis zur Implementierung systematisch zu prüfen, zu bewerten und weiterzuentwickeln. Auf dieser Plattform können unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Ideen für neue innovative Services für unsere Mandanten oder zur Verbesserung unserer internen Prozesse einreichen. Diese werden von einem Innovation Commitee bewertet und für die Umsetzung vorgeschlagen. Neben diesen „freien Ideen“, wie beispielsweise der Idee zur Einführung einer automatisierten Zeiterfassung, starten wir unternehmensweite „Kampagnen“. So stellen wir sicher, dass uns keine Idee verloren geht.

Die Themen, die Ihre Kolleginnen, Kollegen und Sie bedienen, befinden sich im Mittelpunkt des „War for Talent“. Gibt es besondere Leistungen oder Angebote, die Sie machen, damit Sie Talente letztlich für sich gewinnen und langfristig halten können?

Wir konkurrieren natürlich mit anderen Beratungsgesellschaften und Großunternehmen um die besten Köpfe. Um sehr gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für uns zu gewinnen, haben wir die unterschiedlichsten internen und externen Angebote. Großer Beliebtheit erfreuen sich online-basierte Fortbildungstools wie beispielsweise Webinare, die wir intensiv nutzen. Besonders hervorzuheben ist hier auch unsere Digital Academy. Zudem haben wir internationale Fortbildungsangebote im Programm. Darüber hinaus ist es uns ein wichtiges Anliegen, die persönlichen und familiären Belange unserer Beschäftigten mit ihren beruflichen Anforderungen bestmöglich in Einklang zu bringen. Unser Work-Life-Balance Programm bietet hier vielfältige Möglichkeiten wie individuell zugeschnittene Teilzeitmodelle und Sabbaticals. Weiterhin fördern wir Masterstudiengänge sowie bei Interesse auch Promotionsvorhaben.

Worin besteht aus Ihrer Sicht der Mehrwert, den Ihr Team Kunden anbieten kann?

Uns ist der Blick über den Tellerrand wichtig! Unsere Kolleginnen und Kollegen können und sollen sich neben der eigenen Spezialisierung auch benachbarte Tätigkeitsfelder erschließen, um sich dadurch thematisch breiter aufzustellen. So lassen wir unsere Cyber-Experten auch bei forensischen Untersuchungen mitwirken oder unsere Compliance-Experten sowohl präventiv im Rahmen von Risk Assessments als auch reaktiv im Rahmen von Compliance Audits mitarbeiten. Dadurch entsteht ein Gesamtbild für die Risiken, mit denen Unternehmen umgehen müssen.

Wir sind selbst ein eigentümergeführter Mittelständler und beraten überwiegend eigentümergeführte Mittelständler.“

Dr. Frank Hülsberg

Wir sind selbst ein eigentümergeführter Mittelständler und beraten überwiegend eigentümergeführte Mittelständler. Wir sprechen eine Sprache und wissen um die Themen, die unsere Mandanten bewegen, insbesondere in der Ausrichtung und im Betrieb der IT, sowie bei Fragen rund um Sicherheit und Datenschutz. Und da wir unsere IT und unsere Digitalisierung selbst vorantreiben und ständig optimieren, kennen wir auch die Problemstellungen, mit denen unsere Mandanten konfrontiert sind. Und das wiederum bedeutet: Wir haben in vielen Fällen aus unseren Erfahrungen heraus die Lösungen, die wir dann erfolgreich auch bei unseren Mandanten einsetzen können.

Gibt es Besonderheiten Ihres Beratungsansatzes, die dazu führen, dass Ihre Beraterinnen und Berater bestimmte Kompetenzen mitbringen sollten?

Unsere Experten sind nicht Teil eines 100-köpfigen oder noch größeren Beraterteams, sondern gut sichtbar in den gesamten Beratungszyklus eingebunden. Das bedeutet: Sie betreuen den Mandanten von der strategischen Konzeption des Projekts über die Roadmap bis hin zur konkreten Umsetzung und Überwachung in den Unternehmen. Jeder Einzelne und jede Einzelne im Team hat Sichtbarkeit. Das bedeutet natürlich eine umfassende Verantwortung. Gleichzeitig ist es für viele unserer Kolleginnen und Kollegen eine positive Erfahrung, nicht nur eine Strategie am Reißbrett zu entwickeln, sondern zu sehen, dass diese in der Praxis auch funktioniert und dem Mandanten einen Mehrwert bietet. Im Übrigen scheuen wir uns auch nicht, mit kompetenten Geschäftspartnern zu kooperieren – wenn es um die Interessen unserer Mandanten geht, sind wir gänzlich uneitel und lösungsorientiert.

Gab es in den vergangenen Jahren eine kulturelle Weiterentwicklung, die sich durch die Aufnahme von Warth & Klein in das Grant Thornton Netzwerk ergeben hat? Wie sah diese aus?

Wir gehören seit über 20 Jahren dem Netzwerk Grant Thornton International an. Wir fühlen uns in dieser internationalen Organisation bestens aufgehoben, weil in den weltweit über 130 Mitgliedsfirmen die gleichen Werte gelebt werden. Konkret hat sich dadurch eine „Internationalität“ im Denken unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verbreitet und auch ein Verständnis für die Arbeits- und Kommunikationsweisen in anderen Ländern bzw. Kulturkreisen erzeugt.

Ab dem 1. März 2022 wird aus „Warth & Klein Grant Thornton“ künftig kompakt „Grant Thornton“ – gehen mit dieser Markenschärfung weiterführende Veränderungen einher?

Die Umfirmierung in Grant Thornton AG zum 1. März 2022 ist einer der nächsten konsequenten Schritte unserer Wachstumsagenda. Der neue Name betont die Zugehörigkeit zum Grant Thornton-Netzwerk, der Nummer 6 der globalen Prüfungs- und Beratungsnetzwerke, und die Ausrichtung auf den international agierenden Mittelstand. Das werden wir begleitend zur Namensänderung deutlich kommunizieren.

In Deutschland ist Ihr Haus laut Marktanalyst Lünendonk 2021 auf Platz 10 der Wirtschaftsprüfungs- und Professional-Services-Unternehmen in Deutschland. Welche Wachstumsagenda verfolgen Sie in den kommenden Jahren?

Wir werden unsere Wachstumsstrategie 2025 konsequent vorantreiben. Das bedeutet: Wir setzen weiterhin auf organisches und anorganisches Wachstum und werden unsere Standorte stärken, insbesondere in den wichtigsten deutschen Wirtschaftszentren. Das Ranking ist dabei wichtig, aber kein Selbstzweck.

Sie selbst kennen den Beratungsmarkt durch Stationen bei Arthur Andersen, Deloitte und KPMG sehr gut. Warum haben Sie sich 2014 für Warth & Klein entschieden?

Bei Warth & Klein Grant Thornton sind Prozesse und Strukturen nicht in Stein gemeißelt. Im Gegenteil: Unser Arbeitsumfeld zeichnet sich durch hohe Freiheitsgrade aus. Man kann sich aktiv einbringen, echte Aufbauarbeit leisten und Chancen nutzen. Wer Risk Assessment durchführt, darf bei uns auch das Ergebnis überprüfen; wer einen Branchenschwerpunkt im Bereich Automotive hat, kann selbstverständlich auch Technologieunternehmen betreuen. In dieser Welt fühle ich mich zuhause.

Welchen Karrieretipp können Sie jungen Beratern/innen an die Hand geben, deren Ziel es ist, später Partner in der Unternehmensberatung zu werden?

Ob man Partner werden möchte, muss jeder für sich selbst entscheiden. Wir fördern auch Fachkarrieren. Grundsätzlich gilt: die Arbeitswelt wird vielfältiger und flexibler, allgemeingültige Ratschläge werden damit schwieriger. Generell kann ich aber sagen: Man muss auch manchmal Durststrecken überwinden, bleiben Sie dran an dem Thema, das Ihnen wichtig ist!


ZUR PERSON

Dr. Hülsberg ist seit 1. Oktober 2019 Mitglied des Vorstands bei Warth & Klein Grant Thornton und verantwortet dort das Ressort „Technology & Innovation“. Außerdem leitet er den Bereich Governance, Risk, Compliance & Technology mit den Schwerpunkten Sonderuntersuchungen, Cyber-/IT-Security und Digitalisierung von Geschäftsmodellen und Prozessen. Zuvor war er für Big Four-Unternehmen in der Prüfung und Beratung sowie in der Industrie tätig.


Bildquelle: Warth & Klein Grant Thornton AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

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