Studentische Unternehmensberatungen: Fit für die Zukunft?

Sie ermöglichen es Studierenden, während der akademischen Ausbildung bereits Erfahrungen in der anspruchsvollen Projektarbeit zu sammeln und in unmittelbare Berührung mit Wirtschaftsunternehmen zu kommen: Studentische Unternehmensberatungen bieten Studierenden Einblicke in vielfältige Themen- und Kundenkontexte, überdurchschnittlich hohe Vergütung und wertvolle Impulse für den späteren (Vollzeit-) Berufseinstieg.

Studentische Unternehmensberatungen, oder auch Junior Enterprises (JE), haben sich in Deutschland seit Ende der 1980er Jahre gegründet, nachdem die ursprünglichen Wurzeln im Frankreich der 1960er Jahre liegen. Zwischenzeitlich gibt es an zahlreichen deutschen Universitäten und Hochschulen studentische Beratungsinitiativen, alleine im Bundesverband Deutscher Studentischer Unternehmensberatungen (BDSU) haben sich, stand heute, 32 Mitgliedsinitiativen mit rund 2.300 Studenten organisiert. Dem Junior Consultant Network (JCNetwork) gehören derzeit 31 Studentische Unternehmensberatungen mit insgesamt rund 1.800 studentischen Mitgliedern an. Im europäischen Dachverband JADE – European Confederation of Junior Enterprises sind etwa 300 Initiativen organisiert, die mit über 22.000 studentischen Beratern rund 16 Millionen Euro Umsatz generieren. Beeindruckende Zahlen.

Der Bedarf an Beratungleistungen auf Seiten der Wirtschaft ist seit Jahren ungebrochen, der Gesamtmarkt wächst stetig. Doch wie reagieren die Junior Enterprises auf die Veränderungen im Consulting-Markt? Wie sehr befassen sich die Initiativen mit ihrer eigenen Zukunftsfähigkeit? Diesen Fragen geht eine aktuelle, noch unveröffentlichte Studie von Professor Dr. Julian M. Kawohl und Carolin Enke nach, in der die Mitgliedsinitiativen des BDSU untersucht wurden.

Zukunft hat zwar Priorität, Wandel im Markt aber noch nicht überall auf der Agenda

Interessanterweise kommen Kawohl und Enke zu der Erkenntnis, dass zwar das Thema Zukunftsplanung für die Studentischen Unternehmensberatungen eine hohe Priorität besitzt, mit den konkreten Trends und Veränderungen, die schon seit einiger Zeit im Beratungsmarkt zu beobachten sind, haben sich jedoch bei weitem noch nicht alle Initiativen in eigener Sache auseinandergesetzt. Als größte Herausforderung wird genannt, dass Junior Enterprises auch in der Zukunft Probleme haben werden, die jeweiligen Beratungsprojekte über den gesamten Zeitverlauf mit ausreichenden und fachlich passenden Kompetenzen besetzen zu können. Hier kommt die Tatsache zum Tragen, dass studentische Berater nicht in Vollzeit für die Beratungsprojekte zur Verfügung stehen können, auf Klausuren und Abschlussprüfungen lernen müssen und gegebenenfalls aus dem Projekt ausscheiden, weil sie ihr Studium abschließen. Erst auf Rang zwei der drängendsten Herausforderungen nennen die Beratungen die noch fehlende Kompetenz in neuartigen Themenfeldern wie Digitalisierung.

Digitalisierung allerortenjonathan-velasquez-384018

Sehr wohl stellen die Studentischen Beratungshäuser fest, dass in den vergangenen zwei Jahren die Anfragen aus den Themenbereichen IT, Digitalisierung, Web und Datenbanken am stärksten zugenommen haben, wohingegen „Projektklassiker“ wie die Optimierung von Finanzen und Controlling den geringsten Zuwachs erfuhren. Im Zusammenhang mit der Digitalisierung sehen die studentischen Consultants die folgenden drei Kernkompetenzen, die sie nach eigener Einschätzung zukünftig etablieren müssen:

  1. Einsatz neuer Innovationen
  2. Umsetzung der digitalen Transformation
  3. Support bei der Entwicklung neuer Produkte und Geschäftsmodelle

Bemerkenswert ist jedoch die Tatsache, dass die Initiativen sehr unterschiedlicher Meinung darüber sind, inwieweit sich die eigenen Kernkompetenzen in den kommenden zwei Jahren verändern oder neu definieren werden. Für die einen ist eine Veränderung des eigenen Geschäftsmodells sehr wohl relevant, wohingegen andere hier keine dringliche Notwendigkeit sehen und auf die althergebrachten Kernkompetenzen setzen. Entsprechend raten Professor Kawohl und Studienkoautorin Enke den Junior Enterprises mahnend an, „den Wandel des eigenen Geschäftsmodells einmal sauber durchzudeklinieren und entsprechende Änderungen dann auch zeitnah zu initiieren“.

Die digitale Transformation, was auch immer sich hinter diesem bereits verbrannten Begriff verbirgt, findet jetzt statt und wie es scheint, haben sich noch nicht alle Studentischen Unternehmensberatungen hierfür fit gemacht.


Die Autoren der Studie „Studentische Unternehmensberatungen in Deutschland – wie stellt sich der Consulting-Nachwuchs auf?“:

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Julian Kawohl ist Professor für Strategisches Management an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin. Er verfügt über mehrjährige Strategie-Praxiserfahrung bei verschiedenen Euro-Stoxx-Unternehmen, zuletzt als Leiter Konzernentwicklung und CEO-Assistent. Im Rahmen seiner Forschungstätigkeit beschäftigt er sich u.a. mit den Themenschwerpunkten Digitales Management und Corporate Entrepreneurship.

 

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Carolin Enke studierte Betriebswirtschaftslehre im Bachelor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin. Neben ihrem Studium der Betriebswirtschaftslehre engagierte sie sich in der Studentischen Unternehmensberatung Berliner Consulting Projekte e.V. Hier unterstützte sie den Verein in den Bereichen Personal- und Kundenmanagement.

 

 

Weiterführende Informationen zu Studentischen Unternehmensberatungen:

Bundesverband Deutscher Studentischer Unternehmensberatungen (BDSU)

Junior Consultant Network (JCNetwork)

JADE – European Confederation of Junior Enterprises

 

 

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