Nach Comatch, Newcoventure, Klaiton und Projectchamps steigt nun auch ein Schwergewicht im Bereich der Wirtschaftsprüfungs- und Unternehmensberatung in den Markt der Online-Personalmarktplätze ein: Die Schweizer Landesgesellschaft von KPMG verkündet in einer aktuellen Pressemitteilung, dass man die digitale Vertriebsplattform „Marketplace“ live geschaltet habe. Ziel der neuen Plattform ist es, KPMG-Experten aus den Bereichen Tax, Accounting oder Advisory für eine gewisse Zeit an Kunden zu verleihen, wenn diese saisonbedingte Spitzen, Mehraufwand bei komplexen Analysen oder kurzfristige Notfälle personell ausgleichen müssen.

KPMG Marketplace

Der Prozess sieht wie folgt aus: Der Kunde kann über den KPMG Marketplace digital Kontakt aufnehmen, seinen konkreten Bedarf an personeller Unterstützung in den jeweiligen Themen kommunizieren. Nach spätestens 48 Stunden wird er auf der Plattform pro benötigter Ressource drei KPMG-Mitarbeiter empfohlen bekommen, aus denen dann einer final ausgewählt werden kann. Die Tagessätze starten bei 1.400 Schweizer Franken und werden nach geleisteter Arbeit an KPMG entrichtet.

Bisher ist das Angebot des KPMG Marketplace auf die folgenden Themenbereiche begrenzt:

  • Business Modelling Support
  • Accounting & Controlling Support
  • Big Data & Big Data Analytics Support
  • Project Management & Administration
  • Management & Board Reporting Support
  • Investigations Support
  • Other (nach individueller Absprache)

Mit dieser Plattform geht KPMG einen mutigen Schritt: Zum einen kann sich das Unternehmen rühmen, der erste etablierte Player zu sein, der diesen Schritt in Richtung der Digitalisierung und Flexibilisierung vollzieht. „Die Arbeitswelt wird immer schnelllebiger und dynamischer, und immer häufiger fordern Spitzenbelastungen im Unternehmensalltag sofort verfügbare Spezialisten. Hier setzt KPMG an: Marketplace ist ein Novum in der Beratungsbranche“, so Anne van Heerden, Leiter Advisory und Mitglied der Geschäftsleitung von KPMG Schweiz. Ein entscheidender Vorteil dieser Plattform ist jedoch darin zu sehen, dass sich KPMG selbst die Möglichkeit schafft, die Auslastung der eigenen Mitarbeiter (utilization rate) zu maximieren.

Auf der anderen Seite wandelt man jedoch auch auf einem schmalen Grat: So schafft KPMG beispielsweise volle Transparenz über die Tagessatzstruktur. Auf der Marketplace-Homepage werden Consultants mit CHF 1.400, Assistant Manager mit  CHF 1.850 und Senior Manager mit CHF 2.700 pro Tag ausgewiesen. Diese Preistransparenz erfreut sicherlich die Kunden, die zukünftig auch bei klassischen Beratungsprojekten auf diese Preise rekurrieren werden. Für KPMG bedeutet dies aber zugleich, in der Zukunft noch intensiver erklären zu müssen, warum ein klassisches Vollprojekt gegebenenfalls teurer bepreist werden muss als es die Marketplace-Tagessätze erwarten ließen.

Mit großer Sorge und nachvollziehbaren Zweifeln wird dieser Schritt vermutlich von dem einen oder anderen KPMG-Berater beäugt. Sie haben sich für eine Karriere bei einem internationalen Beratungshaus und vermutlich bewusst gegen Anbieter mit Bodyleasing- oder Body-Shopping-Ansatz entschieden. In der Regel sind klassische Beratungsprojekte mit spannenderen Themen und einer größeren  Lernkurve verbunden als dies bei dem Personalverleih der Fall ist. Als entliehene Kraft ist man in der Regel im Alltagsgeschäft eingesetzt und arbeitet als verlängerte Werkbank hinzu.

Wenn man es positiv ausdrücken möchte: KPMG-Mitarbeiter haben nun die Möglichkeit, klassische Beratungsprojekte und zugleich „ehrliche“, operative Arbeit auf Kundenseite kennenzulernen. Was kann es Besseres als Vorbereitung für den Sprung auf die Industrieseite geben?