Im Markt der Unternehmensberater und Professional Services Firms bietet die Saison der Jahresberichte typischerweise eine „stabile Großwetterlage“, stürmische Ausschläge und besondere Phänomene sind selten auszumachen. Der nun von PwC vorgelegte Report für das Fiskaljahr 2015 kann jedoch als ein Donnerschlag bezeichnet werden: Mit insgesamt $ 35,4 Mrd. Umsatz (+10% Wachstum) schiebt sich PwC knapp vor Deloitte, das vor wenigen Tagen ein Umsatzniveau in Höhe von $ 35,2 Mrd. (+7,2% Wachstum) ausweisen konnte. Damit erobert PwC den prestigeträchtigen Titel, derzeit die größte Professional Services Firm der Welt zu sein.

Während Deloitte und EY ($ 28,7 Mrd., +11,6%) bereits ihre Jahresberichte vorgelegt haben, wird KPMG erst im Dezember Zahlen zum Geschäftsjahr bekannt geben. Nach einem letztjährigen Umsatzniveau in Höhe von $ 24,8 Mrd. kann jedoch ausgeschlossen werden, dass KPMG in dieses Kopf-an-Kopf-Duell zwischen PwC und Deloitte eingreifen wird.

Die Akquisition von Booz & Company (heute Strategy&) trug maßgeblich dazu bei, dass PwC diesen großen Wachstumsschub verzeichnen konnte: Die gesamte Consulting-Sparte von PwC steigerte den Umsatz um ganze 18% auf $ 11,2 Mrd. und trägt dadurch rund 30% zum Gesamtergebnis der Gruppe bei. Audit (+6,2%) und Tax (+7,2%) konnten demgegenüber nicht annähernd so kräftig zulegen, weshalb Kritiker vor einer gefährlichen Verschiebung der Interessenlage warnen. Steven Harris, Vorstandsmitglied des Public Company Accounting Oversight Board (PCAOB), fasst zusammen: „Audit independence and audit quality could be threatened by the growth of the advisory and consulting services at the largest audit firms“. Die Financial Times zitiert Sir Mike Rake, den früheren Vorstandsvorsitzenden von KPMG: „There are dangers in being all things to all people“.

Dass ein zunehmender Ausbau des profitablen Consulting-Geschäfts auf Kosten der Qualität in den Prüfungsmandaten gehen kann, belegen Kritiker mit einigen Beispielen des letzten Jahres: So musste PwC eingestehen, dass man als Prüfer des britischen Handelsunternehmens Tesco den Umsatz um mehr als 250 Millionen Pfund zu hoch ausgewiesen hat. Darüber hinaus verhängte der Staat New York gegen PwC eine Strafe in Höhe von $ 25 Millionen, weil das Unternehmen den Anti-Geldwäsche-Bericht der Bank of Tokyo-Mitsubishi an bestimmten Punkten vorsätzlich abgemildert hatte. Als weitere Konsequenz aus diesem Fall darf PwC für zwei Jahre keine Consulting-Projekte im Staat übernehmen.

Die auf Qualität Wert legende, compliancegerechte Weiterentwicklung des Serviceportfolios wird somit für die Big Four in der Zukunft eine der größten Aufgaben sein. Zu groß wäre ansonsten die Gefahr, dass der Regulator eine harte Trennung von Consulting und Audit veranlasst oder aber das Vertrauen der Kunden schleichend, aber stetig verloren geht.