Wird Capgemini Consulting zum Akquisitionsziel?

Die Veröffentlichung von Jahresberichten folgt den immer gleichen Kommunikationsmustern: Im Sinne guter Investor Relations werden die Zahlen in bestem Licht präsentiert – bei schwachen Zahlen hat man sich „in einem schwierigen Marktumfeld wohl behauptet“.

Die gestern vorgelegten Bilanzzahlen der börsennotierten Capgemini-Gruppe, zu der auch die Strategie- und Transformationsberatung Capgemini Consulting zählt, müssen nun vor exakt diesem Hintergrund interpretiert werden:

Paul Hermelin, CEO, bei der Kommentierung der Jahresbilanz 2014 © Capgemini
Paul Hermelin, CEO, bei der Kommentierung der Jahresbilanz 2014 © Capgemini

Die Gesamtgruppe konnte ein stabiles Umsatzwachstum in Höhe von 3,4% und eine Gewinnsteigerung um 9,2% vermelden. Capgemini wuchs zudem beim Headcount von weltweit 131.430 auf 143.643 Mitarbeiter. Wie es heißt: „This was achieved in spite of a difficult economic context in Continental Europe“. Insbesondere die innovativen Geschäftsbereiche mit Ausrichtung auf Cloud Computing, Big Data, Digital und Cybersecurity waren sehr erfolgreich – und auch in 2015 wird umso stärker in eben diese Felder investiert. Paul Hermelin, CEO der Capgemini-Gruppe, stellt fest: „Our performance in 2014 exceeded the objectives we set ourselves at the beginning of the year thanks to the impact of our two improvement levers: innovation and industrialization“. Die Börse ist erfreut und dankt mit dem höchsten Aktienkurs der vergangenen 13 Jahre.

Gewitterwolken am Horizont

So weit so gut. Leider weist die Bilanz eine Kennzahl aus, die alarmierend ist und viele Fragen aufwirft: Der Geschäftsbereich „Capgemini Consulting“, der bisher sehr gut am globalen Managementberatungsmarkt etabliert war, schrumpft um 3,4%. Dieser Umsatzrückgang ist Folge schrumpfender Umsätze in Nordamerika, UK und Benelux – das leichte Wachstum in Frankreich, Deutschland und dem Rest Europas konnte dies nicht kompensieren.

Strategie- und Managementberatungshäuser, die im aktuellen Marktumfeld nicht mehr zu wachsen imstande sind, geraten zwangsläufig in das Visier potenzieller Käufer. Dabei hat Capgemini Consulting einiges in eine Due Diligence einzubringen: Man zählt zu jenen Beratungshäusern, die schon frühzeitig das Thema „Digital Transformation“ strategisch besetzt hatten, und auch der Beratungsansatz des Hauses lässt sich als state-of-the-art bezeichnen. „Collaborative business experience“ drückt die enge Zusammenarbeit zwischen Strategieberatern und Kundenunternehmen während des gesamten Projekts sowie die Fokussierung auf die Umsetzbarkeit der Konzepte aus. Die vielen hoch qualifizierten Management- und Strategieberater wären somit sicherlich ein Gewinn für den einen oder anderen Wettbewerber. Häuser wie A.T. Kearney oder Roland Berger könnten sich mit einer Übernahme deutlich verstärken und die weltweite Rangliste aufwirbeln.

Zurück zu alten Ufern?

Umso attraktiver könnte eine Akquisition für die üblichen Verdächtigen, die Big Four, sein. Insbesondere EY ist bisher im Vergleich zu den direkten Konkurrenten PwC und KPMG nur sehr maßvoll anorganisch gewachsen und hatte zuletzt neben J&M Management Consultants nur die amerikanische Strategieberatung Parthenon mit etwa 300 Mitarbeitern akquiriert. Ungleich größer könnte das Wachstum ausfallen, würde man sich die gut 3.600 Berater von Capgemini Consulting einverleiben.

Diese konkrete Mutmaßung erfolgt dabei vor dem Hintergrund, dass historisch eine kulturelle Nähe besteht: Im Jahr 2000 übernahm Cap Gemini die Consulting-Sparte von Ernst & Young und firmierte bis 2004 als Cap Gemini Ernst & Young. Was liegt da näher, als im Jahr 2015 eben diese Einheit wieder in den Unternehmensverbund EY zu überführen? Dass bereits heute sehr konkrete Diskussionen und Verhandlungen im Hintergrund stattfinden, ist eine an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit.

Wie geht es nun weiter? Verbleibt Capgemini Consulting in der auf IT-Services und Outsourcing spezialisierten Gruppe und wird quersubventioniert, um Kunden auch in Zukunft Services entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu bieten? Heute sieht es zumindest so aus, als wenn bei Capgemini nicht Strategieberatung Türöffner für in der Folge nachverkaufte IT-Projekte ist, sondern umgekehrt.

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