Die Volkswagen Group Consulting begleitet zentrale Transformationsvorhaben und entwickelt Talente für Führungsaufgaben im Konzern. Wie gelingt dieser doppelte Auftrag – und was macht die interne Beratung für ambitionierte Consultants attraktiv? Im Gespräch mit Daniel Nerlich erläutert Richard Petrovic, warum sich Inhouse-Consulting dem Wettbewerb stellen muss, wie aus Konzepten umsetzbare Programme werden und woran er den Karriereerfolg seiner Alumni misst. Ein Gespräch über Beratungsqualität, Führung im Tandem und internationale Karrierewege im Volkswagen Konzern.
Daniel Nerlich: Volkswagen befindet sich in einer der größten Transformationen seiner Geschichte. Welche Rolle spielt die Volkswagen Group Consulting dabei und wie hat sich diese in den vergangenen Jahren verändert?
Richard Petrovic: Wir gestalten die Transformation von Volkswagen! Mit unseren Projekten sind wir in zentrale Transformationsvorhaben eingebunden und arbeiten genau dort, wo wesentliche Weichen für die Zukunft und die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Konzerns gestellt werden – in den Konzernfunktionen ebenso wie in Marken, Regionen und Gesellschaften.

Im Kern haben wir einen dualen Auftrag: Wir beraten das Topmanagement bei der Umsetzung von Transformationsprojekten und entwickeln Top-Talente, die später den Konzern langfristig stärken. Beides ist für uns untrennbar miteinander verknüpft.
In den vergangenen Jahren hat sich unsere Rolle als Inhouse-Beratung deutlich weiterentwickelt. Die Relevanz unserer Mandate ist gestiegen, ihre Sichtbarkeit im Konzern ebenso. Unser Anspruch ist es, Beratung auf höchstem Niveau mit tiefem Konzernverständnis zu verbinden.
Mit welchen Fragestellungen werden Sie aktuell am häufigsten beauftragt? Sind die Projekte eher strategisch und vorstandsnah oder stärker auf die Umsetzung und operative Transformation ausgerichtet?
Unsere Auftraggeber sitzen auf Vorstands- und Topmanagement-Ebene. Entsprechend haben unsere Projekte eine hohe strategische Relevanz. Gleichzeitig ist für uns entscheidend, dass eine Strategie umsetzbar ist. Wir entwickeln keine theoretischen Konzepte, sondern verbinden strategische Arbeit mit einem sehr konkreten Verständnis dafür, was sich im Konzern tatsächlich realisieren lässt.
Deshalb endet unsere Arbeit üblicherweise auch nicht mit einem Konzeptpapier. Wir setzen gemeinsam mit den Kundinnen und Kunden ein Programm auf, das im Konzern auch wirklich umsetzbar ist, und begleiten die Realisierung so weit, bis wir überzeugt sind, dass die definierten Ziele erreicht werden können. Anschließend übergeben wir die Verantwortung wieder an die Linienorganisation.
Wann ist dieser Punkt typischerweise erreicht?
Ein durchschnittliches Projekt dauert ungefähr drei Monate. Natürlich gibt es kürzere Studien und ebenso Projekte, die deutlich länger laufen. Zwölf oder sogar 24 Monate am selben Thema wären für uns allerdings ungewöhnlich. Bei längeren Programmen rotieren wir bewusst im Team. Schließlich kommen Menschen auch deshalb in die Beratung, weil sie unterschiedliche Fragestellungen, Bereiche und Projekte kennenlernen möchten.
Was zeichnet aus Ihrer Sicht ein besonders erfolgreiches Inhouse-Consulting aus? Wie kann die Volkswagen Group Consulting den größten Wert für den Konzern schaffen?
Eine Inhouse-Beratung muss sich ihren Ruf erarbeiten. Genau das ist uns gelungen: Wir liefern höchstes Niveau und haben damit Vertrauen bei den relevanten Entscheidungsträgern aufgebaut. Dieser Ruf muss auch außerhalb des eigenen Unternehmens funktionieren. Denn nur dann gelingt es, Top-Talente zu gewinnen, die ebenso zu führenden externen Beratungen gehen könnten.
Außerdem halte ich es für ausgesprochen wichtig, sich dem Wettbewerb zu stellen. Eine Inhouse-Beratung sollte ihre Mandate nicht automatisch erhalten, weil sie günstiger ist. Sie muss durch Leistung überzeugen und sich daran messen lassen. Beratung ist ein People Business. Die Qualität unserer Arbeit hängt deshalb unmittelbar davon ab, welche Menschen wir für uns gewinnen können.
Auf die Frage, wie wir den größten Wert für Volkswagen schaffen, kann ich ganz klar sagen: Wir tun alles dafür, Volkswagen erfolgreich durch die Transformationsphase zu begleiten und die richtigen Menschen für diese Aufgabe zu gewinnen und diese an das Unternehmen zu binden.
Die Volkswagen Group befindet sich in einer der größten Transformationen ihrer Geschichte – von Elektrifizierung und Software bis hin zu neuen Mobilitätskonzepten. Welche dieser Veränderungen wird die Organisation aus Ihrer Sicht am nachhaltigsten prägen?
Ich glaube, der entscheidende Punkt ist tatsächlich die Kombination all dieser Veränderungen. Es passiert vieles gleichzeitig. Hinzu kommen autonomes Fahren, geopolitische Veränderungen und ein wirtschaftlich sehr anspruchsvolles globales Umfeld.
Damit kommt derzeit sehr vieles zusammen, was ein Unternehmen gleichzeitig fordern kann. Volkswagen muss sich entsprechend schnell anpassen. Genau darin liegt ein wesentlicher Teil der Transformation, die wir begleiten.

Wie kann man sich die Kultur der Volkswagen Group Consulting vorstellen? Ist sie stärker vom Konzern geprägt oder ähnelt sie einer klassischen Strategieberatung?
Es ist eine gesunde Mischung aus beiden Welten. Daraus ist aus meiner Sicht eine sehr eigene Kultur entstanden.
Von der Strategieberatung übernehmen wir beispielsweise eine ausgeprägte Leistungs- und Feedbackkultur. Beides bewegt sich bei uns auf einem hohen Niveau und ist für eine Beratung unverzichtbar. Gleichzeitig ist unsere Zusammenarbeit stark von gegenseitiger Unterstützung geprägt – ohne Ellenbogenkultur. Hinzu kommt eine gewisse Bodenständigkeit, die sich aus unserer Zugehörigkeit zum Konzern ergibt. Diese Kombination aus Beratungsqualität, Teamspirit und Konzernnähe macht die Volkswagen Group Consulting aus meiner Sicht besonders.
Inwiefern verändert die Zugehörigkeit der Inhouse-Beratung zum selben Konzern die Beziehung zum Kunden?
Das macht einen großen Unterschied. Natürlich treten wir als Beratung auf und werden vom Kunden auch als solche wahrgenommen und geschätzt. Gleichzeitig arbeiten wir für dasselbe Unternehmen und verfolgen gemeinsam ein übergeordnetes Ziel.
Wir sitzen tatsächlich in einem Boot. Dadurch entsteht aus meiner Sicht eine andere Form der Zusammenarbeit und ein Vertrauensverhältnis, das in dieser Ausprägung mit einer externen Beratung schwerer herzustellen ist.
Für bestimmte Führungsfunktionen setzen Sie auf Co-Leadership. Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?
Für uns ist das ein Erfolgsmodell. Co-Leadership kann beispielsweise bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie Vorteile schaffen. Gleichzeitig bringt es zusätzliche Perspektiven in eine Führungsfunktion.
Entscheidend ist allerdings ein sehr klares Erwartungsmanagement. Es muss definiert sein, wie das Tandem zusammenarbeitet, wie die Abstimmung mit Vorgesetzten funktioniert und wie Verantwortlichkeiten gegenüber dem Team wahrgenommen werden. Das Modell bringt durchaus Herausforderungen mit sich, die aktiv gemanagt werden müssen.
Und am Ende muss das Duo funktionieren. Die persönliche Konstellation ist entscheidend. Bei uns hat das bislang sehr gut funktioniert, deshalb möchte ich diesen Ansatz auch künftig weiterverfolgen.
Inhouse-Consulting ist häufig auch Talentplattform für den Konzern. Wie wichtig ist diese Funktion für Sie?
Sehr wichtig. Wie bereits erwähnt, haben wir einen dualen Auftrag: Wir beraten das Topmanagement und sind zugleich Talentpool für den Konzern – national und international. Die Volkswagen Group Consulting kann deshalb ein hervorragendes Sprungbrett für eine anschließende Karriere innerhalb von Volkswagen sein.
Wir messen diesen Erfolg auch anhand konkreter KPIs. Wenn Kolleginnen und Kollegen in die Linie wechseln, schauen wir beispielsweise darauf, ob sie auf vergleichbarer Ebene einsteigen oder bereits beim Wechsel einen Schritt in der Stellenwertigkeit machen. Außerdem beobachten wir, wie schnell sich unsere Alumni anschließend weiterentwickeln.
Die Entwicklung unserer Mitarbeitenden über die Beratung hinaus ist ein wichtiger Teil unseres Auftrags. Deshalb freuen wir uns, wenn ehemalige Kolleginnen und Kollegen ihre Erfahrungen erfolgreich in unterschiedlichen Bereichen des Konzerns einbringen.
Bei uns lernen sie das Handwerkszeug, das sie für eine erfolgreiche weitere Karriere benötigen, und bauen gleichzeitig ein wertvolles Netzwerk im Konzern auf.
Haben sich die Erwartungen junger Beraterinnen und Berater in den vergangenen zehn oder 15 Jahren verändert?
Definitiv, wobei das wahrscheinlich für viele Berufsfelder gilt. Purpose hat aus meiner Sicht deutlich an Bedeutung gewonnen. Ebenso wichtig sind Flexibilität und eine größere Selbstbestimmtheit bei der Arbeit.

Interessant finde ich die hohe Nachfrage nach internationalen Einsätzen. Gerade jüngere Kolleginnen und Kollegen wollen andere Länder und Kulturen kennenlernen und sich dadurch persönlich weiterentwickeln.
Gehalt und Karriereentwicklung bleiben weiterhin relevant. Die Vorstellung, dass diese Faktoren für die jüngere Generation kaum noch eine Rolle spielen, kann ich nicht bestätigen.
Darauf müssen wir als Arbeitgeber reagieren – mit flexiblen Arbeitsmodellen, attraktiven Entwicklungsmöglichkeiten, angemessenen Möglichkeiten zur mobilen Arbeit und einem Umfeld, das internationale Erfahrungen ermöglicht.
Wie realistisch ist es für jemanden, der beispielsweise in Wolfsburg einsteigt, später in China oder den USA zu arbeiten?
Projekteinsätze sind grundsätzlich für jeden möglich. Wer Interesse hat, spricht darüber mit seiner Führungskraft, und wir versuchen, diesen Wunsch bei der Projektplanung zu berücksichtigen. Vielleicht funktioniert es nicht beim ersten Staffing, dann aber beim zweiten oder dritten.
Für einen längerfristigen Einsatz in einem unserer internationalen Büros sollten zunächst bestimmte Kompetenzen und ein internes Netzwerk aufgebaut werden. Deshalb ist das in den ersten beiden Jahren schwieriger. Danach stehen die Möglichkeiten grundsätzlich offen.
Die Erwartungen von Talenten verändern sich kontinuierlich. Wie stellen Sie als Führungskraft sicher, dass die Volkswagen Group Consulting darauf reagiert und für die besten Bewerber attraktiv bleibt?
Wir haben den klaren Auftrag, Top-Talente für den Konzern zu finden und beobachten den Markt und die Anforderungen der Top-Talente daher ganz genau.
Gleichzeitig sind es unsere eigenen Mitarbeitenden, die Themen mitbringen und sagen sehr klar, wenn wir bestimmte Dinge verändern müssen, um auch künftig attraktiv zu bleiben. Dafür bin ich sehr offen, ebenso wie unser gesamtes Leadership-Team.
Wer sich nicht an veränderte Rahmenbedingungen anpasst, wird irgendwann nicht mehr erfolgreich sein. Deshalb müssen wir immer wieder hinterfragen, was Top-Talente erwarten und welche Konsequenzen das für uns hat.
Die Volkswagen Group Consulting steht am Markt in einem intensiven Wettbewerb um diese Top-Talente. Warum sollten sich ambitionierte Beratende ausgerechnet heute für Ihre Einheit entscheiden?
Über die Automobilindustrie gibt es derzeit viele negative Nachrichten. Für Menschen, deren Herz für Beratung und für die Automobil- und Mobilitätsindustrie schlägt, kann genau das eine enorme Motivation sein. Wir haben über Purpose gesprochen: Wie viel mehr Motivation braucht man, als daran mitzuarbeiten, die deutsche Automobilindustrie und mit ihr Volkswagen für die Zukunft erfolgreich aufzustellen?

Für mich persönlich spielt außerdem eine große Rolle, dass ich diese Arbeit für mein eigenes Unternehmen leiste. Dazu kommt ein Umfeld, in dem hohe fachliche Ansprüche, echte Gestaltungsmöglichkeiten, gegenseitiges Vertrauen und ein kontinuierliches voneinander Lernen zusammenkommen. Es macht einfach Spaß, mit so vielen smarten Menschen zu arbeiten.
Nicht zu unterschätzen ist der Vorteil, den Inhouse-Beratung aus meiner Sicht besonders attraktiv macht: Bei uns steht die Projektarbeit sehr klar im Vordergrund. Wir müssen unsere Kundinnen und Kunden durch Qualität überzeugen, verbringen aber deutlich weniger Zeit mit klassischer Akquisetätigkeit. Dadurch bleibt mehr Raum für das, was Beratung im Kern ausmacht: anspruchsvolle Projekte mit konkretem Impact.
Wir bieten außerdem sehr gute Möglichkeiten, früh Verantwortung zu übernehmen und sich zügig weiterzuentwickeln. Wer zu uns kommt, profitiert von einer steilen Lernkurve, vielfältigen Qualifizierungsangeboten – mit zehn Schulungstagen pro Jahr – und kann seine eigene Karriere im Volkswagen Konzern frühzeitig aktiv mitgestalten.
Sie selbst sind der Volkswagen Group Consulting seit vielen Jahren treu geblieben. Was hat Sie davon abgehalten, den Lockrufen aus der Linie zu folgen?
Anfragen gab es durchaus. Und ehrlicherweise war es auch nicht immer leicht, Nein zu sagen, insbesondere wenn sie von Stakeholdern kamen, denen man nicht ohne Weiteres absagt.
Der wichtigste Grund ist aber sehr einfach: Mir macht meine Aufgabe unglaublich viel Spaß. Sie bietet eine enorme Bandbreite. Ich beschäftige mich mit fachlich sehr unterschiedlichen Projekten und gleichzeitig mit Leadership, Organisation und der Entwicklung von Talenten.
Hinzu kommt, dass wir in den vergangenen Jahren viel aufgebaut haben – fachlich, organisatorisch und international. Diese Entwicklung weiter mitzugestalten, gemeinsam mit einem starken Team, ist für mich nach wie vor sehr motivierend.
Solange mir diese Arbeit so viel Freude macht, kann ich mir sehr gut vorstellen, sie noch eine Weile fortzuführen. Diese Reise ist für mich noch nicht zu Ende.
Wenn Sie auf die vergangenen zwölf Jahre zurückblicken: Worauf sind Sie besonders stolz?
Auf mehrere Dinge. Wir haben es geschafft, uns intern bei unseren Kunden sehr hoch zu positionieren. Gleichzeitig haben wir uns auch extern einen Ruf als Inhouse-Consulting erarbeitet, der es uns ermöglicht, Talente aus führenden Beratungen für uns zu gewinnen.
Natürlich bin ich auch stolz auf viele Projekte und darauf, welchen Beitrag unsere Teams für den Volkswagen Konzern geleistet haben. Persönlich war die Leitung der Corona-Taskforce eine besondere Erfahrung, weil wir unmittelbar einen sehr großen Impact erzielen konnten.
Ebenso freue ich mich über jede Berufung und Beförderung von Menschen, deren Entwicklung ich begleiten durfte.
Was steht für die kommenden Jahre ganz oben auf Ihrer strategischen Agenda?
Ein zentrales Thema ist Künstliche Intelligenz. KI ist für uns in der Beratung ein Schlüsselthema. Wir legen einen starken Fokus darauf, unsere Mitarbeitenden systematisch zu qualifizieren und die Nutzung von KI in der Volkswagen Group Consulting weiter zu professionalisieren. Das wird uns in den kommenden Jahren weiter intensiv beschäftigen.
Der zweite Schwerpunkt ist die Internationalisierung. Unsere neuen Standorte bauen wir weiter aus und verbinden sie zu einem globalen Netzwerk.
Und über allem steht die Transformation der Volkswagen Group. Unsere zentrale Aufgabe bleibt, in den entscheidenden Projekten mitzuwirken und unseren Beitrag dazu zu leisten, den Konzern erfolgreich für die Zukunft aufzustellen.
Herr Petrovic, ich danke Ihnen für dieses Gespräch.
Quelle Titelbild: © Volkswagen Group

