In der Kolumne „Zweieinhalb Fragen zu…“ gibt der „Consulting-Professor“ Thomas Deelmann Einblicke zu aktuellen Themen oder generellen Trends im Beratungsmarkt. Zugespitzt und auf den Punkt.
Zum Jahreswechsel kommunizieren viele Beratungshäuser ihre Beförderungen und vor allem die Partner-Promotionen. Wie schauen Sie auf diese Mitteilungen?
Zunächst freue ich mich für alle, die ihren nächsten Karriereschritt gemacht haben und gratuliere dazu! Aber das, was so feierlich verkündet wird, ist ja nur die eine Seite der Medaille. Denn nicht genannt werden die ausgebliebenen Beförderungen und die Exits. Es entsteht also ein schiefes, wenn auch sehr positives Bild.
Aber es gibt noch einen anderen Grund, die Beförderungsinformationen zwar zu würdigen, sie aber nicht zu überhöhen. Und dies lässt sich schön aus der Negativfolie herleiten: Bemerkenswert und kritisch wäre es nämlich, wenn die Kommunikation ausbleiben würde.
Was meinen Sie damit?
Wenn die tradierte und vielleicht auch in der Branche erwartete Kommunikation eines Hauses ausbleiben würde, könnte das als Hinweis auf nicht vorhandene Beförderungen gesehen werden. Und das wiederum könnte man als Warnsignal dafür betrachten, dass das Geschäftsmodell nicht mehr rund läuft. Denn Beratungshäuser arbeiten ja als „Hoffnungsmaschinen“: Die aktiven Partner haben irgendwann Gesellschaftsanteile gekauft und hoffen nun auf Wachstum, um sie mit Gewinn weiterverkaufen und dadurch für ihren Lebensabend sorgen zu können. Projektmanager hoffen auf eine Chance, in die Partnerschaft aufgenommen und so für ihre Leistungen belohnt zu werden. Und Berufseinsteiger hoffen auf eine steile Lernkurve und eine attraktive Karriere. Um diese ganzen Hoffnungen zu nähren, müssen die Häuser stetig wachsen.

Die Beförderungsnachrichten können also nicht nur als Informationen über Personalentwicklungen gelesen werden, sondern auch so, dass die Hoffnungen noch bedient werden können.
Sie sagen „noch“? Sie sehen ein Ende des Wachstums?
Ich bin kein Schwarzmaler, aber ohne Veränderungen wird das System per Definition irgendwann an seine Grenzen geraten. Erfreulich ist aber: Consulting hat sich immer wieder geändert.

Thomas Deelmann ist Professor für Management und Organisation an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung (HSPV) Nordrhein-Westfalen. Nach einer Verwaltungsausbildung und Wirtschaftsstudium arbeitet und forscht er seit über 20 Jahren als, für, mit und über Berater – in einem internationalen Beratungskonzern, als Beratungseinkäufer in einem DAX-Unternehmen, Projektleiter, Auftraggeber von Beratungen, Betroffener von Consulting-Projekten, Inhouse- und freier Consultant sowie in der Lehre und Forschung zur Unternehmens- und Verwaltungsberatung.
