In der Kolumne „Zweieinhalb Fragen zu…“ gibt der „Consulting-Professor“ Thomas Deelmann Einblicke zu aktuellen Themen oder generellen Trends im Beratungsmarkt. Zugespitzt und auf den Punkt.
Das neue Jahr ist erst wenige Tage alt und noch lässt sich der Blick unbeschwert nach vorne richten. Daher die Frage: Mit welchen Themen werden Sie sich 2026 voraussichtlich beschäftigen?
Über das Jahr hinweg wird mich wohl das Thema der Kundenprofessionalisierung begleiten. Das sind dann Fragen nach der Steuerung von Consultants. Viele Kunden tun sich da schwer und unterliegen einer Informations- und Kompetenzasymmetrie gegenüber ihren Dienstleistern. Dabei interessiert mich nicht nur die konkrete Steuerung während eines Projektes, sondern auch auf die Zeit davor und danach sowie die übergreifenden Möglichkeiten. Das ist alles Teil eines längerfristigen Forschungsvorhabens. Dabei ist dann aber auch immer noch Platz für eher kurzfristige Ergänzungen. Ganz aktuell arbeite ich an Texten über McKinsey. Dort wird ja in diesem Jahr ein runder Geburtstag gefeiert – und das lädt zur Reflexion ein.
Lassen Sie uns etwas herauszoomen. Das alte Jahr 2025, so kann man es wohl zusammenfassen, hat die Beratungsbranche in Licht und Schatten getaucht. Manche Segmente entwickelten sich besser, andere schlechter. Die einen erwarten, dass Künstliche Intelligenz Consultants ersetzen wird, die anderen gehen vom Gegenteil aus. Was ist Ihr Blick auf beziehungsweise für die Branche im neuen Jahr?
Ich gehe davon aus, dass das große KI-Durcheinander weitergeht. Salopp formuliert wurde zwischenzeitlich alles als „Künstliche Intelligenz“ deklariert und als Projekt verkauft, was nicht bei drei auf den Bäumen war. Das hat sich etwas gebessert. Aber die anhaltende Goldgräberstimmung trägt nicht zu einer unaufgeregten Beschäftigung mit dem Thema bei.
Und wenn der Hype nachlässt oder sogar einbricht, dann will es wieder keiner gewesen sein und es gibt allenthalben die sprichwörtliche Rolle rückwärts. So ein dynamisches Verhalten ist individuell sicherlich oft nachvollziehbar – in Summe erweist sich die Branche damit aber keinen Gefallen, weil sie dann wie ein Fähnchen im Wind daherkommt. Ein wenig Abstand und Differenz tun hier manchmal sicherlich gut, um die eigene Position zu finden.
Eine bemerkenswerte Nachricht machte kurz vor Jahresende die Runde: Accenture nennt seine Mitarbeitenden nun „Reinventors“. Wagen Sie einen Ausblick? Was ist davon zu halten?
Wenig. Ich denke, hier kann man sich entspannt zurücklehnen und alles Weitere beobachten.

Thomas Deelmann ist Professor für Management und Organisation an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung (HSPV) Nordrhein-Westfalen. Nach einer Verwaltungsausbildung und Wirtschaftsstudium arbeitet und forscht er seit über 20 Jahren als, für, mit und über Berater – in einem internationalen Beratungskonzern, als Beratungseinkäufer in einem DAX-Unternehmen, Projektleiter, Auftraggeber von Beratungen, Betroffener von Consulting-Projekten, Inhouse- und freier Consultant sowie in der Lehre und Forschung zur Unternehmens- und Verwaltungsberatung.
