Kolumne mit Prof. Dr. Thomas Deelmann: „Zweieinhalb Fragen zu…dem neuen Digitalminister und möglichen Implikationen für die Consulting-Branche“

In der Kolumne „Zweieinhalb Fragen zu…“ gibt der „Consulting-Professor“ Thomas Deelmann Einblicke zu aktuellen Themen oder generellen Trends im Beratungsmarkt. Zugespitzt und auf den Punkt.


Dr. Karsten Wildberger war Partner bei The Boston Consulting Group. Seit rund 100 Tagen ist er Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung. Kann er das?

Nun ja. Einerseits scheinen nicht wenige Consultants so etwas wie „kulturelle Anschlussprobleme“ zu haben, wenn sie die Beratung verlassen. Die Umstellung ist dann manchmal wohl recht groß. Auf der anderen Seite hat Minister Wildberger schon in Umgebungen gearbeitet, die nicht der Consulting-Logik gefolgt sind – und war dort offenbar erfolgreich. Und auch aus dem BMDS gibt es erste gute Nachrichten: Die „Mitarbeitenden sind nicht mehr obdachlos“, denn das neue Ministerium „hat bald ein Dach über dem Kopf“, berichtet Der Spiegel.

Dr. Karsten Wildberger © Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung

Aber Spaß beiseite: Lassen Sie uns einfach mal positiv denken und davon ausgehen, dass Herr Wildberger auch diesen Wechsel gut meistert. Und dann ist die Person des Ministers ja nicht der einzige Baustein für den Erfolg. Da geht es auch um die zukünftige Macht des BMDS im Zusammenspiel mit anderen Häusern, das Budget, die vorhandenen personellen Ressourcen etc.

Wildberger ist zudem, dies nur am Rande, nicht der erste ehemalige Geschäftsführer einer Managementberatung, der ein Ministeramt übernimmt. Gerhard Kienbaum war in den 1960ern Wirtschaftsminister in Nordrhein-Westfalen.

Die Aufgaben des BMDS umfassen wichtige Themen. Für die CONSULTANT Career Lounge ist eine Frage besonders interessant: Was kann die Beratungsbranche vom neuen Minister und seinem Haus erwarten?

Einen Spagat, denke ich. Auf der einen Seite liegen Themen auf dem Schreibtisch, die geradezu nach externer Unterstützung schreien. Auf der anderen Seite heißt es im Koalitionsvertrag, dass die Beratungsausgaben gesenkt werden. Damit dies aber in der Sache gelingen kann, muss der Bund erstens selber mehr leisten und in die Projektarbeit einsteigen und zweitens Berater professioneller managen. Bei beiden Punkten ist das BMDS meines Erachtens aber prädestiniert für eine ressortübergreifende Themenführerschaft.

Für das finanzielle Ambitionsniveau gibt es sogar schon Ideen: Einer der beiden parlamentarischen Staatssekretäre des Ministers, Philipp Amthor, war beim Koalitionsvertrag Leiter in der Arbeitsgruppe Staatsmodernisierung. Und da sollte die Run Rate für Beratungsausgaben um 25 Prozent reduziert werden. 250 Millionen Euro jährlich wurden zwischenzeitlich festgehalten – eine hübsche Summe.

Können denn solche Einsparungen gelingen?

Das wird schwierig: Die jährlichen Beratungsausgaben des Bundes lagen zuletzt unter den angestrebten Reduktionen.


Prof. Dr. Thomas Deelmann © privat

Thomas Deelmann ist Professor für Management und Organisation an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung (HSPV) Nordrhein-Westfalen. Nach einer Verwaltungsausbildung und Wirtschaftsstudium arbeitet und forscht er seit über 20 Jahren als, für, mit und über Berater – in einem internationalen Beratungskonzern, als Beratungseinkäufer in einem DAX-Unternehmen, Projektleiter, Auftraggeber von Beratungen, Betroffener von Consulting-Projekten, Inhouse- und freier Consultant sowie in der Lehre und Forschung zur Unternehmens- und Verwaltungsberatung.

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