„Be tough on the issue and tender-hearted on people” – Interview mit Nina Möller, Managing Partner Germany bei der Implement Consulting Group

DANIEL NERLICH: Frau Möller, Sie sind Expertin für Transformation. Wie helfen Sie und Implement Consulting derzeit deutschen Unternehmen, die nicht mehr wachsen und immer knapper bei Kasse sind?

NINA MÖLLER: Ich möchte zunächst eine Lanze für deutsche Unternehmen brechen. Gefühlt liest und hört man derzeit nur negative Schlagzeilen. Doch es gibt viele Erfolgsgeschichten! Ich war kürzlich in Indien bei einem deutschen global tätigen Unternehmen und kam mit einem positiven Eindruck zurück. Deutsche Firmen schaffen weiterhin Großartiges, und das sollten wir stärker hervorheben – auch wenn der wirtschaftliche Kontext in Deutschland aktuell schwierig ist.

Nina Möller, Managing Partner Germany bei der Implement Consulting Group © Implement Consulting Group

Natürlich nehme ich die aktuellen Herausforderungen sehr ernst, auch im politischen Feld. Viele unserer Kunden stehen unter Druck, aber einige Unternehmen nutzen die Gelegenheit, Neues auszuprobieren. Das zeigt uns, dass unser Ansatz – human-centric, impact-driven und mit einer Prise skandinavischem Pragmatismus – auf Resonanz stößt.

Unser Ziel ist es, Unternehmen dabei zu unterstützen, kurzfristig Performance zu steigern und gleichzeitig die Transformation nicht aus den Augen zu verlieren. Wir arbeiten an Strategie-, M&A- und Kostenthemen, um unsere Kunden zukunftsfähig zu machen.

Wie weit reicht Ihr Service-Spektrum? Führen Sie auch Restrukturierungen in der Liquiditätskrise durch?

Ja, bei unserem ganzheitlichen Beratungsspektrum sind natürlich derzeit auch Restrukturierungen in Liquiditätskrisen ein wichtiges Thema bei uns.

Die Restrukturierungsprojekte ziehen sich klassisch durch die Strategie-Practice, Operations-Excellence-Practice jedoch auch mehr und mehr in die People-Practice. Das unter anderem in Einkaufs- und Beschaffungsprojekten, Cost Out Programmen, ganzheitliche Order-to-Cash-Optimierung, Inventory Management, Optimierungen im Bereich Markt- und Kundensegmentierung bzw. Pricing und in der Vertriebsorganisation. Es sind viele Initiativen, bei denen es um das Erzielen schnell messbarer Erfolge geht.

Sie konnten in den vergangenen Jahren erfolgreich wachsen und viele neue Kolleg:innen gewinnen, darunter auch einige auf Partner-Level. Welches Wachstumsziel verfolgen Sie?

Unser Ziel bleibt profitables Wachstum, getragen von unternehmerischem Mindset und Leidenschaft für Beratung – und das alles organisch. Wir setzen bewusst keine hohen Investitionsrisiken, was uns in turbulenten Zeiten zugutekommt.

In Dänemark haben wir über 1.000 Berater:innen, und in Deutschland stehen wir kurz davor, die 100er-Marke zu knacken. Wenn man das Marktpotenzial betrachtet, gibt es in Deutschland noch viel Spielraum.

© Implement

Sie sind seit über einem Jahr im Board of Directors von Implement. Was können sich deutsche Führungskräfte von ihren internationalen Pendants abschauen?

Besonders inspirierend finde ich die skandinavische Kultur der Entscheidungsdelegation. Expertise wird anerkannt, und Entscheidungsbefugnisse werden direkt an die zuständigen Teams weitergegeben. Das verkürzt Diskussionen und erhöht die Effizienz.

Ein weiterer Aspekt ist das persönliche Interesse an den Kolleg:innen. Man kennt seine Mitmenschen nicht nur beruflich, sondern wirklich als Person. Diese Herangehensweise schafft Vertrauen und Zusammenhalt, und das sind Werte, die ich für sehr wichtig halte.

Sie setzen sich aktiv dafür ein, dass mehr Frauen auf allen Ebenen in der Unternehmensberatung vertreten sind. Was sind aus Ihrer Sicht die Hauptfaktoren, um dies zu erreichen?

Ich habe in diesem Bereich viel gelernt und lerne weiterhin dazu. Zwei Dinge sind mir besonders wichtig: Erstens stimmt der Satz…

What you can see, you can be.“

Wir erleben selbst, dass die Resonanz von Kandidatinnen, Bewerberinnen und Kundinnen deutlich gestiegen ist, seit wir mehr Frauen in sichtbaren Positionen haben.

Zweitens möchte ich betonen, dass es nicht ausreicht, nur auf Vorbilder zu setzen. Ich fordere Frauen dazu auf, ihre eigene Vision von Führungsrollen aktiv zu gestalten – unabhängig davon, ob sie in ihrem Umfeld bereits weibliche Role Models sehen. Diesen Ansatz vermittle ich in Vorträgen, Konferenzen und in unserem Team.

© Implement

Darüber hinaus ist es entscheidend, Frauen gezielt anzusprechen, für die Beratungsbranche zu begeistern und gegebenenfalls Zweifel auszuräumen. Plattformen wie herCAREER oder interne Initiativen wie Female-Empowerment-Kurse und unser Diversity, Equity & Inclusion Ministry sind hier sehr hilfreich.

Wir dürfen bei dem Thema „Frauen in der Beratung bzw. in Führungspositionen“ keine „Fatigue“ aufkommen lassen in Unternehmen. Denn die Arbeit ist noch lange nicht getan.

Wie haben Sie es geschafft, zu einer führenden Stimme dieser Bewegung zu werden?

Das Schöne an einer Bewegung ist, dass es keine eigentliche Spitze gibt. Es gibt einen Schwarm von Menschen, die gemeinsam vorangehen. Ich empfinde es deshalb nicht so, als hätte ich „es geschafft“. Es gibt noch viel zu tun, und manchmal frage ich mich in schwierigen Momenten, ob ich wirklich genügend bewirken kann.

Aber die vielen kleinen Erfolge – wir nennen sie unsere „kleinen trojanischen Mäuse“ – zeigen mir, dass Veränderungen möglich sind. Meine Begeisterung für diese Arbeit wächst dadurch immer weiter. Ich bin dankbar für die Freiheit und Verantwortung, die ich aktuell habe, und nutze meine Position, um aktiv Systeme zu hinterfragen und zu verändern.

Authentizität, Vision, Charisma – wie gelingt gute Führung in der Unternehmensberatung heute?

Mein persönliches Mantra lautet: „Be tough on the issue and tender-hearted on people.“ Es geht darum, inhaltlich konsequent und ergebnisorientiert zu sein, dabei aber immer mit Empathie und echtem Interesse an den Menschen.

Führung bedeutet für mich auch, Vertrauen in die Kompetenz der Kolleg:innen zu haben. In einer Beratungsfirma wie Implement, wo ohnehin sehr smarte und empathische Menschen arbeiten, ist das eine Grundlage. Entscheidend ist jedoch, dass jede:r für sich definiert, was gute Führung bedeutet. Dafür braucht es Selbstreflexion und das Bewusstsein, eine authentische Führungspersönlichkeit zu entwickeln.

Geduldige Konsequenz ist ein weiteres wichtiges Prinzip, an dem ich selbst arbeite. Es geht darum, langfristige Veränderungen durchzusetzen, ohne die Geduld zu verlieren.

Freitagnachmittags läuft bei Ihnen im Münchener Office Musik. Wer bestimmt, was gespielt wird?

Das entscheiden diejenigen, die das Passwort für den Lautsprecher kennen. Und ich glaube, das sind genau zwei Personen. Letzten Freitag ertönte Weihnachtsmusik im Office – unser globaler Implement-Weihnachtsbier-Anstich fand statt. Das ist eine dänische Tradition, bei der alle Büros virtuell zusammengeschaltet sind, um die erste Dose Weihnachtsbier zu öffnen. Ab diesem Moment war bei uns Weihnachten eingeläutet.

Herzlichen Dank für das Gespräch, Frau Möller.


Titelbild: Implement Consulting Group

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