DANIEL NERLICH: Herr Hoberg, Sie sind schon seit rund 19 Jahren bei der Ingenics Group tätig. Wie ist Ihre Rückschau auf die vergangenen Jahre?
ANDREAS HOBERG: Die Rückschau fällt äußerst positiv aus, weil wir uns als Gesellschaft strategisch weiterentwickeln konnten und sehr bewusste, unternehmerische Entscheidungen getroffen haben. Ich konnte das Wachstum des Unternehmens persönlich mitgestalten und letztlich den Erfolg gemeinsam mit dem Team einfahren. Das macht einen stolz und lässt einen eine lange Zeit im Unternehmen bleiben – auch in der Zukunft.

Haben Sie nie an Optionen jenseits von Ingenics gedacht?
Ich denke, das ist ein natürlicher Prozess im Abwägen der gesamten persönlichen Lebenssituation, und ich habe es bis jetzt nicht bereut, immer wieder die Entscheidung für Ingenics zu treffen. Bei Ingenics ist es uns wichtig, Möglichkeiten zu bieten, sich entlang der individuell unterschiedlichen Lebenssituationen einbringen zu können.
Die Ingenics Group mit über 900 Mitarbeitenden weltweit ist in Familienbesitz. Woran merkt man, in einem Familienunternehmen zu arbeiten?
Auf der einen Seite natürlich an den klassischen Attributen eines Familienunternehmens: Es gibt ein klares Wertegefüge, das sehr von der Familie und dem gesamten Team gelebt wird. Das garantiert natürlich eine gewisse Stabilität. Auf der anderen Seite der große Vorteil der schnelleren Entscheidungen, die wie ich finde, konsequent sind und ohne größere Korrekturschleifen auskommen. Das ist schon ein großes Asset. Klar sind viele Beratungsunternehmen historisch in vergleichbarer Größe gestartet wie wir – wir können uns jedoch trotz der Größe, die wir mittlerweile erreicht haben, die beiden Attribute Geschwindigkeit und Wertewelt sehr gut erhalten.
Sie verantworten bei Ingenics Consulting sowohl das Geschäft rund um Strategieberatung, Prozess- & Organisationsberatung, Planung & Umsetzung sowie digitale Transformation als auch die Ingenics Academy und das Innovation Lab. Was zeichnet Ihr Service-Angebot und Ihren Go-to-Market-Ansatz aus?
Wir sind eine Nischenberatung und haben uns im Umfeld für Produktions- und Logistikunternehmen positioniert. Wir haben unsere Offerings aus einer logischen Konsequenz der „Needs“ der Kunden aufgebaut. Das ist eigentlich auch der Go-to-Market-Ansatz: Wir bewegen uns sowohl mit dem Know-how und den Innovationen für die Kunden in die Themen hinein, können aber zugleich auch in der Umsetzung kapazitativ unterstützen. Und das in Kombination mit einem klaren Profil in eindeutigen Branchen und auch eindeutigen Kundenumfeldern. Das ist der Ansatz, der zu unserem Wachstum geführt hat und auch zu weiterem Wachstum führen wird.
Zuletzt konnten Sie neue Partner gewinnen und ihr Geschäft ausbauen. In welchen Bereichen liegt in der näheren Zukunft der strategische Schwerpunkt?
Wir wollen uns im Umfeld unseres Operations-Bereiches weiter verstärken – z.B. rund um das Thema Einkauf und Produktkostenoptimierung. Zugleich sehen wir das Thema Supply Chain als weiteres Wachstumsfeld. Wir merken deutlich, dass die Gesamtstabilität der Unternehmen im Fokus steht – von der Gestaltung des Produktes bis zum Betrieb in der Geschäftseinheit wird vor allen Dingen die Supply Chain in der Zukunft ein erheblicher Beratungsschwerpunkt sein. Da wollen wir weiter wachsen.
Laut Lünendonk-Liste der führenden Managementberatungen in Deutschland sind Sie erstmals unter den Top-10. Welche Wachstumsambitionen bestehen mit Blick auf die kommenden 5 Jahre?
Wir sind jetzt knapp an den 100 Millionen Euro Umsatz pro Jahr und haben in unserem Strategiepapier für die nächsten Jahre klares Wachstum festgelegt. Wir sind schon so ambitioniert, dass wir global in Richtung der 200 Millionen Euro Umsatz gehen wollen.
Sie bedienen sowohl die „klassischen“ Industriekunden wie zum Beispiel aus dem Maschinen- und Anlagenbau, Sie sind aber auch in den Feldern E-Mobility oder Optronics aktiv. Wie entwickelt sich Ihr Kundenportfolio, welche neuen Kunden konnten Sie zuletzt gewinnen?
Wir wachsen selbstverständlich entlang der Branchen, die wir als Kernbranchen definiert haben, im Sinne der klassischen Diversifizierung. Wo wir heute einen Kunden X haben, soll es morgen in der gleichen Branche ergänzend Kunden Y geben. So sind wir historisch vor allen Dingen in der Automobilindustrie gewachsen, beginnend mit den süddeutschen OEMs und in der Folge immer globaler. In jüngster Vergangenheit haben wir auch Geschäft bei Start-ups, und auch chinesischen OEMs, gewinnen können.
Der zweite Bereich, in dem wir im Sinne unserer Wachstumsambitionen aktiv werden wollen, umfasst ergänzend neue Branchen. Da haben wir uns in den letzten Jahren stark im Umfeld der Elektronik- und Optronik-Industrie entwickelt. Nun beabsichtigen wir, zusätzliche Branchen zu bedienen. Zuletzt hatten wir beispielsweise starkes Wachstum im Med-Tech-Umfeld.
Der nächste Schritt ist es, auch noch das Thema Lebensmittelproduktion anzugehen, was dann schon eine ziemlich weite Streuung zu unserem Kerngeschäft darstellt. Aber wir bleiben da unserem Prinzip treu: „Produzierend“ und „Logistik“. Auch da haben wir nun bereits erste Referenzen aufbauen können, die wir weiter ausbauen wollen.
Was würden Sie sagen, welcher Typ Mensch passt besonders gut zu Ingenics Consulting?
Jemand, der einen klaren Wertebezug hat. Eines unserer zentralen Credos ist es, die Themen des Kunden partnerschaftlich miteinander zu lösen, gemeinsam im Team, konstruktiv und aktiv. Wir haben eine sehr starke Kundenorientierung. Mit dem Blick darauf, welchen Mehrwert wir dem Kunden bieten können. Daher brauchen wir Persönlichkeiten, die gerne im Team Lösungen erarbeiten. Das ist das, was wir suchen, und zugleich auch das Feedback, was wir von den Mitarbeitenden erhalten: Bei uns gibt es einen super Team-Zusammenhalt und man hat gemeinsam Erfolge. Das ist der Grund, weshalb man letztendlich auch gerne bei Ingenics bleibt.
Sie haben 22 Standorte weltweit, darunter auch in den USA, Mexiko, China und Frankreich. Zuletzt wurde auch ein Standort in Toronto und Budapest eröffnet. Können Ihre Mitarbeitenden auch als Expats in die Welt ausschwärmen?
Ja, wir bieten unseren Mitarbeitenden die Möglichkeit, als Expats eingesetzt zu werden – entweder im Projektumfeld oder teilweise dann auch in den Führungsfunktionen in den Landesregionen. Wir haben sehr viele Funktionen, die einen globalen Fokus haben und die wir letztlich von der ganzen Welt aus bedienen können. Wir wollen zugleich noch weiter ausbauen, für den Kunden noch globaler da zu sein.
Bei uns ist Deutschland nicht der alleinige Kernmarkt, von dem aus wir global bedienen. Vielmehr haben wir über Jahre auch schon sehr bewusst im Ausland aufgebaut. Seit 2002 in China aktiv, seit 2004 in den USA. Das sind natürlich jeweils deutliche Statements.
Noch einmal zu Ihnen persönlich: Was treibt Sie nach 19 Jahren in der Unternehmensberatung noch immer an?
Die Vielfalt und unsere Kunden. Es für mich eine Ehre, nach wie vor in langen persönlichen Beziehungen zu Kunden und Entscheidern immer wieder bedeutsame Themen zu bearbeiten. Sich auch in Themenstellungen reinzudenken, Lösungen zu entwickeln und dann gemeinsam mit ihnen nachhaltige Verbesserungen zu erzielen. Das treibt mich an und ich bin für mein Leben gern Berater.

Was ist das nächste große Ziel, das Sie persönlich erreichen möchten?
Wenn wir dabei auf Ingenics blicken, ist es mein Ziel, dass wir stabile und gute Strukturen haben. Ich bin sehr stolz darauf zu sehen, wie viele bei uns im Laufe der Jahre Verantwortung übernommen haben. Nun gilt es, dies weiter auszubauen und vielen die Möglichkeit zu geben, sich einzubringen und Ingenics gestalten zu können.
Ein kleines persönliches Lebensziel habe ich auch noch, was bis dato der familiären Situation und zeitlichen Beanspruchung im Geschäft geschuldet war: Ganz entspannt zweieinhalb Wochen über die Alpen zu laufen, das ist ein persönlicher Wunsch, der noch offen ist!
Ihr Geschäft steht für „Consulting and Realization Combined“, Sie liefern nicht nur Konzepte ab, sondern realisieren diese bei und mit dem Kunden. Was vermuten Sie, wie entwickelt sich das Consulting bis in das Jahr 2030?
Ich bin überzeugt, dass insbesondere der Umsetzungsanteil steigen wird, was natürlich auch uns als Beratungsunternehmen herausfordern wird. Es wird darum gehen, schnell, klar und eindeutig Konzepte zu entwickeln und zugleich auch die Umsetzung zu begleiten. Ich sehe uns da sehr gut positioniert und gerüstet, weil wir historisch schon immer einen starken und sehr intensiven Umsetzungsanteil hatten. Wir wissen, wie Umsetzung geht.
Mit Ihrer Ingenics Consulting sind Sie insgesamt sehr breit aufgestellt…
Genau! Aber es ist immer wieder eine tagtägliche Teamarbeit, sich den Konzeptfragen der Kunden mit Geschwindigkeit, mit Engagement, natürlich auch mit den technischen Hilfsmitteln, die jetzt noch neu dazukommen, zu stellen.
Herzlichen Dank für das Gespräch, Herr Hoberg!
ZUR PERSON
Andreas Hoberg verantwortet als Managing Partner neben Kundenprojekten vor allem die strategische Weiterentwicklung der Ingenics Consulting. Er widmet sich schwerpunktmäßig den Themen Strategieberatung Operations, Prozess- und Organisationsberatung sowie Digitalisierung. Mit seinem Know-how in Lean Manufacturing und Lean Management berät er Unternehmen weltweit zu Effizienzsteigerung – insbesondere aus der Automobil- und Luftfahrtbranche. Darüber hinaus verantwortet er die Ingenics Auslandsgesellschaften in Asien, Osteuropa und Westeuropa.
Quelle Titelbild: Ingenics Consulting

