Kolumne mit Prof. Dr. Thomas Deelmann: „Zweieinhalb Fragen zu…der Professionalität von Public-Kunden“

In der Kolumne „Zweieinhalb Fragen zu…“ gibt der „Consulting-Professor“ Thomas Deelmann Einblicke zu aktuellen Themen oder generellen Trends im Beratungsmarkt. Zugespitzt und auf den Punkt.


Im Verteidigungsministerium, beim öffentlich-rechtlichen Sender RBB, beim staatlichen Gasunternehmen SEFE und aktuell im Bundesinnenministerium: Überall werden Beratungsskandale aufgedeckt. Im Public Sector scheint es davon im Vergleich zur Privatwirtschaft überproportional viele zu geben. Sind die Kunden dort so unprofessionell? Was läuft da schief?

Man kann tatsächlich den Eindruck gewinnen, dass es viele Berateraffären, Skandale und Skandälchen im öffentlichen Raum gibt. Aber auch wenn es paradox klingt, das sollte erstmal positiv stimmen. Denn dies zeigt: „Checks & Balances“ greifen. Die vorgesehenen Kontrollmechanismen funktionieren also und wir sehen, dass die Rechnungshöfe und internen Rechnungsprüfungsämter, die politische Opposition und auch die Medien das Handeln von Regierung und Verwaltung sehr kritisch begleiten.

Kontrollmechanismen gibt es selbstredend in der Privatwirtschaft auch. Und auch hier werden die Kontrolleure fündig. Aber gegenüber der Öffentlichkeit wird viel häufiger ein unternehmensinterner Mantel des Schweigens ausgebreitet. Zudem ist das Interesse Dritter geringer, getreu dem Motto: Mir doch egal, was Ihr mit Eurem eigenen Geld macht!

Ist denn der Public Sector für Consultants ein „guter“ Kunde?

Oh, es gibt durchaus Besonderheiten. Nicht jeder mag die und auch McKinsey hat lange Zeit Public-Aufträge nur mit spitzen Fingern angefasst. Aber in gewisser Weise muss man sich als Consultant in jeder Branche erstmal zurechtfinden. Grundsätzlich ist es im öffentlichen Sektor so: Wenn alles glatt läuft, dann findet man schon attraktive und auch angenehme Projekte und Projektumgebungen. Wenn es allerdings Probleme gibt, dann leuchten die gerade angesprochenen Suchscheinwerfer aber auch jeden Winkel aus. Und dann ist es schwierig, sich als Beratung zurückzuziehen und die eigene Rolle nicht auch kritisch betrachten zu lassen.

Das lässt sich gerade sehr gut live beobachten: Im Frühjahr hat der SPIEGEL eine Berateraffäre im Innenministerium aufgedeckt – Stichwort: „Verdacht auf Kungelei“. Eine ganz bestimmte Beratung war hier involviert, die nur mit Mühe und mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln ihren Namen bisher aus den Texten der großen Medien heraushalten konnte. Aber schließlich hat die Bunderegierung dann im Sommer doch kommuniziert, um welche Beratung es sich handelt. [Zu finden ist der Name an dieser Stelle]

Wenn man also Business Development und Vertrieb à la „Modell Golfplatz“ oder ein „wheeling & dealing“ im Hinterzimmer bevorzugt, dann ist der öffentliche Sektor am langen Ende kein „guter“ Kunde. Für alle anderen Fälle würde ich ihn in Summe mit ganz groben Pinselstrichen als sympathisch, durchaus nicht anspruchslos, aber interessant und interessiert – wenn auch manchmal vielleicht noch etwas unbeholfen – charakterisieren.

Wird es denn besser? Klappt es mit der „Kundenprofessionalisierung“?

Ja, langsam. Vielleicht aber etwas zu langsam.


Prof. Dr. Thomas Deelmann © privat

Thomas Deelmann ist Professor für Management und Organisation an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung (HSPV) Nordrhein-Westfalen. Nach einer Verwaltungsausbildung und Wirtschaftsstudium arbeitet und forscht er seit über 20 Jahren als, für, mit und über Berater – in einem internationalen Beratungskonzern, als Beratungseinkäufer in einem DAX-Unternehmen, Projektleiter, Auftraggeber von Beratungen, Betroffener von Consulting-Projekten, Inhouse- und freier Consultant sowie in der Lehre und Forschung zur Unternehmens- und Verwaltungsberatung.

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