BDU-Consulting-Index sieht Restrukturierung und Sanierung in aktueller Krise hoch im Kurs

Angesichts wachsender Krisenfaktoren und -szenarien in der deutschen Wirtschaft treten immer mehr Unternehmen auf die Kostenbremse. Für die Consulting-Branche bedeutet dies, dass die Nachfrage der Kunden nach klassischen Restrukturierungs- und Sanierungsthemen steigt. Die Folge: Im Vergleich aller Beratungssegmente legt der Indexwert für das Geschäftsklima der Restrukturierungsberater in der vom Bundesverband Deutscher Unternehmensberatungen (BDU) vierteljährlich durchgeführten Befragung in der Consulting-Branche für das 2. Quartal 2022 als einziges Beratungsfeld zu.

Im Gesamtmarkt hingegen hält die mit Q4/2021 einsetzende, leichte Abwärtstendenz im Geschäftsklima der Consulting-Branche zum dritten Mal in Folge an. Der Indexwert liegt aktuell bei 100,2 (Q1/2022: 102,4 und Q4/2021: 108,3). Der Consulting-Branchenindikator liegt aber im Vergleich mit dem ifo-Geschäftsklimaindex für die Gesamtwirtschaft, der nach der gleichen Systematik wie der des BDU erhoben wird, auf einem noch deutlich höheren Niveau (ifo-Geschäftsklimaindex 06/2022: 92,3). BDU-Präsident Ralf Strehlau: „Der Putin-Krieg, Lieferengpässe, Krisenszenarien bei der Energieversorgung und die hohe Inflationsrate lassen bei den Unternehmen zunehmend die Alarmglocken läuten. Die Konsequenz: Wirtschaft und Industrie machen sich mit Unterstützung von uns Consultants möglichst schnell und umfassend krisenfest.“

Ralf Strehlau, BDU-Präsident © Jost H. Buthmann

Geschäftsaussichten der Sanierungsberater im Aufwind

Der Indexwert für das Beratungsfeld Sanierungsberatung ist zum Ende Juni 2022 von 96,0 im letzten Quartal auf 101,9 gestiegen. Die Geschäftsklima-Indizes aller anderen Beratungsfelder – IT-Beratung, Strategieberatung, Organisations- und Prozessberatung sowie HR-Beratung – haben hingegen nachgegeben. Die aktuelle Geschäftslage wird dabei insgesamt von den Marktteilnehmern fast unverändert so gut beschrieben, wie im ersten Quartal 2022. Weiterhin meldet jede zweite Unternehmensberatung für Q2 2022, derzeit über den Budgetplanungen zu liegen. 42 Prozent liegen in der Geschäftsentwicklung im Plan. Bei den Geschäftssichten ist hingegen der Anteil derer, die in den kommenden sechs Monaten eine noch günstigere Geschäftsentwicklung erwarten, weiter auf 29 Prozent zurückgegangen (Anteil Q1/2022: 34 % und Anteil Q4/2021: 48 %). 19 Prozent rechnen mit ungünstiger werdenden Geschäftsaussichten (Anteil Q1/2022: 15 % und Anteil Q4/2021: 6 %).

Große Consultingfirmen bewerten die kommenden sechs Monate skeptischer

Der Geschäftsklima-Indexwert ist im Vergleich zum Q2/2022 in den meisten betrachteten Größenklassen gesunken. Nur in der Umsatzklasse unter 250.000 Euro ist ein leichter Anstieg von 90,4 auf jetzt 92,4 zu verzeichnen. Insgesamt hinkt dieses Größensegment aber der grundsätzlichen Wachstumsdynamik der Branche weiter hinterher. Am stärksten fiel der Stimmungsrückgang bei den großen Consultingfirmen mit über 50 Millionen Euro Umsatz von einem Indexwert von 107,3 auf 101,4 aus. Zu diesem Ergebnis trägt vor allem die wachsende Skepsis mit Blick auf die Geschäftsentwicklung in den kommenden sechs Monaten bei. Die Befürchtungen, dass Abschlüsse für größere Beratungsmandate mit entsprechender Personalauslastung schwieriger werden, nehmen besonders unter den umsatzstarken Marktteilnehmern angesichts der volatilen Situation bei der weltweiten Konjunktur zu.

Kommentar verfassen