Barkawi Management Consultants wird von Genpact gekauft

Es ist ein weiterer und in diesem Fall eher unerwarteter Deal im deutschen Consulting-Markt: Demnächst wird es „Barkawi Management Consultants – a Genpact Company“ lauten. Das an der New York Stock Exchange gelistete IT- und Digitalunternehmen Genpact gab am gestrigen Mittwoch bekannt, dass man die auf Supply Chain Management fokussierte Barkawi Management Consultants akquiriert habe. Angaben über die Höhe des Kaufpreises wurden nicht gemacht. Damit verliert ein weiterer, mehrfach von Professor Fink als „Hidden Champion“ ausgezeichneter Beratungsspezialist seine Unabhängigkeit.

„This transaction is a great fit for our consulting entity, given Genpact’s strong domain expertise, focus on innovation, digital and analytics capabilities, and global scale“

Karim Barkawi, Gründer und CEO, Barkawi Group

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Karim Barkawi (Quelle: Barkawi Group)

Karim Barkawi gründete im Jahr 1994 in München ein Unternehmen, das bis heute auf rund 200 Berater und weitere Standorte in Wien, Riad, Dubai, Shenzhen, Shanghai und Atlanta wachsen konnte. Eigenen Angaben zufolge zählen namhafte Firmen wie Airbus, CocaCola, Daimler, General Electric, Henkel oder Siemens zu den Kunden der SCM-Experten. In der Zwischenzeit machte sich Karim Barkawi jedoch auch einen Namen, indem er die Barkawi Group aus der Taufe hob, einem Inkubator für unternehmerische Ideen. In diesem Kontext konnten über die vergangenen Jahre Start-ups wie NGM (Fuhrparkmanagement), B2X (Management komplexer Reparatur-Kreisläufe) oder Teqport (virtueller Marktplatz für industrielle Überbestände) entwickelt werden.

Nun werden die Barkawi Management Consultants also Teil einer Technologie-Firma mit mehr als 78.000 Mitarbeitern weltweit und interessanter Entstehungsgeschichte: Genpact hat seine Wurzeln in einer Abteilung, die 1997 innerhalb von General Electrics gegründet wurde und seit 2005 als eigenständige Firma am Markt tätig ist. Heute liefert das Unternehmen Lösungen rund um Analytics, Automatisierung oder Digitalisierung und setzt damit rund $ 2,57 Milliarden um.

Die Tatsache, dass ein weiterer inhabergeführter und mehrfach ausgezeichneter deutscher Beratungsspezialist seine Unabhängigkeit verliert, ist bedauerlich für den Markt, da die anhaltende Konsolidierung die Vielfalt reduziert. Es bleibt abzuwarten, ob die Barkawi-Berater, die sich einst für eine unternehmerische und mittelständische Beratung entschieden haben, der Firma auch angesichts der neuen Eigentümerverhältnisse die Treue halten werden.

Mehr als bemerkenswert ist der Deal jedoch auch unter einem anderen Aspekt. Am heutigen Tag ist auf der Barkawi-Homepage noch folgendes Statement zu lesen, das in Anbetracht der aktuellen Meldung schmunzeln lässt: „Absolute Unabhängigkeit ist für uns ein entscheidender Grundsatz, deshalb sind wir weder mit einem großen Wirtschaftsprüfungs-Haus noch mit Software-Herstellern verbandelt.“

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