Accenture prüft offenbar einen möglichen Verkauf seines Greater-China-Geschäfts. Wie die Financial Times unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen berichtet, hat der IT-Beratungs- und Dienstleistungskonzern JPMorgan mit einer strategischen Überprüfung der Einheit beauftragt. Das Geschäft, zu dem Festlandchina, Hongkong und Taiwan gehören, könnte demnach mit bis zu 1,5 Milliarden US-Dollar bewertet werden.
Auslöser der Prüfung seien Anfragen zu einem möglichen Erwerb der Einheit im vergangenen Jahr gewesen. Zu den potenziellen Interessenten dürften vor allem Private-Equity-Investoren sowie eine begrenzte Zahl strategischer Käufer zählen. Accenture könnte im Fall eines Verkaufs eine bedeutende Minderheitsbeteiligung behalten, um Kontinuität für Kunden zu gewährleisten. Ob es tatsächlich zu einer Transaktion kommt, ist offen.
Die Überlegungen fallen in eine Phase, in der Accenture sein Portfolio stärker auf wachstumsstarke Geschäftsfelder und insbesondere auf Artificial Intelligence ausrichtet. Investoren diskutieren derzeit intensiv, ob AI die Nachfrage nach Beratungs- und Technologiedienstleistungen zusätzlich antreiben oder Teile des bisherigen Geschäftsmodells substituieren könnte. Accenture setzt darauf, dass Unternehmen bei Einführung und Skalierung von AI zusätzlichen Unterstützungsbedarf haben werden.
Zugleich haben mehrere westliche Professional-Services-Unternehmen, darunter auch McKinsey, ihre Aktivitäten in China bereits reduziert. Verschärfte Sicherheits- und Datenvorschriften erschweren grenzüberschreitende Zusammenarbeit und zwingen Unternehmen unter anderem zu einer stärkeren Trennung ihrer IT-Systeme.
Accenture hatte zuletzt für die kommenden zwei Jahre ein eher verhaltenes Umsatzwachstum in Aussicht gestellt, erwartet jedoch gegen Ende des Jahrzehnts eine Beschleunigung durch steigende Nachfrage nach neuen AI-Dienstleistungen. Die möglichen Erlöse aus einem Verkauf des China-Geschäfts könnten zusätzlichen finanziellen Spielraum für Investitionen und Übernahmen schaffen.
