EY-Parthenon startet Expansionsoffensive – Kampfansage an McKinsey & Co.

Nach Informationen des Handelsblatts forciert EY den Ausbau seiner Strategieberatung EY-Parthenon und will zur echten Alternative für die klassischen Branchengrößen werden. Trotz Krisen, Skandalen und abgebrochener Spaltung setzt die Big-Four-Gesellschaft nun auf einen integrierten Beratungsansatz – mit ehrgeizigen Wachstumszielen bis 2030.

EY zählt weltweit zu den Big Four der Prüfungs- und Beratungsgesellschaften, doch das Unternehmen steht seit Jahren unter Druck – insbesondere in Deutschland. Der Wirecard-Skandal belastete das Image des Unternehmens in den vergangenen Jahren spürbar. Nach dem Scheitern der geplanten Aufspaltung in eine Prüfungs- und eine Beratungseinheit (Projekt „Everest“) hat EY nun seine Partnerschaft „umstrukturiert, neu positioniert“ – und man plane, erhebliche Investitionen zu tätigen.

Strategieberatung im Aufwind – mit Ambitionen

EY-Parthenon ist mit rund 25.000 Beraterinnen und Beratern und einem weltweiten Umsatz von 6,5 Milliarden US-Dollar bereits die Nummer drei unter den Strategieberatungen – hinter McKinsey und BCG. Laut dem neuen Europachef Constantin Gall soll der Umsatz bis 2030 weltweit und auch in Deutschland verdoppelt werden. In Deutschland lag der Parthenon-Umsatz zuletzt bei 465 Millionen Euro.

Constantin Gall © EY-Parthenon

„Wir sehen großes Wachstumspotenzial für unser Beratungsgeschäft“, sagte Gall dem Handelsblatt. Der Unterschied zur Konkurrenz: „Wir bieten Strategie und Umsetzung aus einer Hand.“

Neue Struktur, neue Führung, neues Selbstbewusstsein

Die organisatorische Neuaufstellung betrifft auch das Management: Seit Januar leitet die Österreicherin Sandra Krusch das Deutschlandgeschäft. In Westeuropa, der zweitgrößten EY-Parthenon-Region nach den USA, wurde die operative Struktur von 18 auf zehn Regionen reduziert. Auch personell setzt EY ein Zeichen: Erst kürzlich wechselten drei Berater mit Automotive-Schwerpunkt von Deloitte zur Gesellschaft – weitere Wechsel sollen folgen.

Erhebliche KI-Investitionen und kritische Stimmen

EY-Parthenon will 250 Millionen US-Dollar in KI-gestützte Plattformen investieren, um die eigene Technologiekompetenz auszubauen. Dennoch äußern Marktbeobachter auch Skepsis. „Bei reinen strategischen Themen dürften weiterhin McKinsey, BCG und Roland Berger gesetzt sein“, kommentiert Jörg Hossenfelder vom Marktanalysten Lünendonk & Hossenfelder. Was jedoch für EY spreche, sei „die Kombination aus Strategie und Umsetzung“ sowie der internationale Footprint. Entscheidend wird sein, wie EY künftig mit potenziellen Interessenkonflikten durch das Prüfungsgeschäft umgeht.

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